Wie in seinen Werken üblich liefert der iranische Regisseur Ali Asgari Einblicke in aktuelle Themen der iranischen Gesellschaft. Anhand des persönlichen Schicksals eines Mediziners zeigt „A Bit of Light“, was abseits der öffentlichen internationalen Wahrnehmung im Iran geschehen ist, kurz bevor das Land von den USA und Israel angegriffen wurde.

Arash (Missagh Zareh) steht in einer kargen Wohnung. Kaffee läuft aus einer Maschine in eine Tasse. An einem Tisch sitzt Arashs Bruder. Zuvor wurde ihm von Arash sein weltlicher Besitz überschrieben. Arash betritt das Bild und spricht nun direkt mit seinem Bruder. Er hat beschlossen, sich sein Leben zu nehmen. Sein Entschluss scheint festzustehen. Kein Argument bringt ihn von seiner Überzeugung ab. Bevor er jedoch die Welt der Lebenden verlässt, begibt er sich auf einen Roadtrip durch Teheran. Er will sich von seinen Geschwistern und seiner Mutter persönlich verabschieden.

Depression und Klarheit einer distanzierten Ästhetik

Die Inszenierung ist geprägt von Depression. Alles bleibt auf Distanz zu Arash, der sich komplett davon überzeugt hat, sein Leben zu beenden. Das Regime hat ihm seine Arztpraxis geschlossen, weil er sich an den hippokratischen Eid gehalten hat, indem er verletzte Demonstrant*innen medizinisch erstversorgt hat. Dafür landete Arash eine Zeit lang im Gefängnis, bekam seine Approbation entzogen und steht nun – nach 20 Jahren – vor dem Nichts. Aber vor allem ist es die Bosheit und das Schlechte in der Welt, was ihn von dieser zu vertreiben scheint.

Aktualität des Werkes

Wo Regisseur Ali Asgari in seinem letzten Film „Divine Comedy“ einen satirischen, humorvollen Ansatz der Inszenierung wählte, ist dies in „A Bit of Light“ einer hoffnungslosen Melancholie gewichen. Immer wieder werden aktuelle Entwicklungen im Iran thematisiert – beispielsweise Donald Trumps Aussagen über die Angriffe auf den Iran oder, wie die Bevölkerung damit umgeht, dass nun potenziell Bomben auf ihre Stadt fallen werden. Die Bedrückung im Land scheint allgegenwärtig. Dennoch gelingt es Ali Asgari auch hierbei, durch Überzeichnung von Nebenfiguren, ein satirisches Element in den Umgang mit der Kriegssituation des Irans einzubinden.

Schauspiel trägt die Inszenierung

„A Bit of Light“ ist ruhig erzählt. Getragen wird das Werk von Missagh Zareh, dem exzellenten Hauptdarsteller. Aber auch die übrigen Familienmitglieder sind sehr gut besetzt und haben einen großen Anteil an der Intensität des Films. Eine große Stärke dabei ist, dass die Darsteller*innen in langen Einstellungen ihre Dialoge sowie Mimik und Gestik exzellent darbieten können. Dadurch entsteht eine besondere emotionale Bindung zwischen den Figuren auf der Leinwand und dem Publikum im Kinosaal.

Fazit

Auf „A Bit of Light“ muss sich das Publikum einlassen. Das iranische Kino setzt oftmals eine Auseinandersetzung mit den sozio-kulturellen Umständen im Iran voraus, wodurch ein Zugang zum Werk hierzulande erschwert wird. Die melancholische Sinnesreise eines suizidalen Protagonisten ist zudem nicht gerade als Popcorn-Kino geeignet. Dennoch hat Ali Asgari einen weiteren, sehenswerten Film geschaffen, der in seiner Ruhe eine nachhallende Intensität erzeugt. (th)

Filmplakat A Bit of Light

Filminformationen

„A Bit of Light“ (Internationaler Titel)

„Kami Nour“ (Originaltitel)

Regie: Ali Asgari

Drehbuch: Ali Asgari, Shadmehr Rastin

Kamer: Iman Tahsin

Besetzung: Misagh Zareh, Sadaf Asgari, Forouzan Jamshidnejad, Ramtin Daghigh, Mina Rahimzadeh

Iran | Schweitz | Italien | Kanada | Türkei 2026

Produktion: Milad Khosravi, Afshin Salamian, Lorenzo Cioffi, Giorgio Giampà, Sholeh Alemi Fabbri, Sara Nasrabadi, Francesco Melzi d’Eril, Gabriele Moratti

Produktionsfirmen: Seven Springs Pictures, Sunny Independent Pictures, Good Measure Productions, Zoe Films, HAURVATAT Film, MeMo Films

Laufzeit: 87 Minuten

Sprachfassung: Persisch mit deutschen Untertiteln

Veröffentlichung: Derzeit besitzt der Film keinen deutschen Verleih.

Gesichtet auf dem Filmfest Hamburg 2026.

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