Titelbild: Performance „Omas gegen Rechts“, © UrbanProjection
Lübeck. Wenn es früher dunkel wird, beginnt für UrbanProjection die eigentliche Saison: Das Lübecker Kollektiv für visuelle Interventionen im urbanen Raum bringt im Oktober und November gleich drei unterschiedliche Projekte an ungewöhnliche Orte der Stadt. Mit „Das Einheitsmenü“, „Träume für Räume“ und „Unter uns“ verbindet UrbanProjection Film und Projektion mit Theater, Musik, historischen Orten und der Beteiligung des Publikums.
Das Kollektiv verfolgt mit seinen multimedialen Aktionen erzählerische und dokumentarische Ansätze. Die meist selbst produzierten Filme werden nicht einfach auf einer Kinoleinwand gezeigt, sondern erobern den Stadtraum: Fassaden, Innenräume und andere ungewöhnliche Orte werden zur Projektionsfläche. Im Mittelpunkt stehen dabei reale Menschen und ihre Geschichten. Die Projektionen sollen eine visuelle Brücke zwischen ihnen, dem jeweiligen Ort und dem Publikum schaffen.
Das Einheitsmenü: Deutsche Einheit geht durch den Magen
Den Auftakt macht am 3. und 4. Oktober die Wiederaufnahme von „Das Einheitsmenü“. Passend zum Tag der Deutschen Einheit geht es ums Essen und Kochen – aber auch um deutsch-deutsche Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die 36 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer an Küchentischen und bei Familientreffen sichtbar werden können.
Im Zentrum steht ein Wochenendhäuschen, das auf einem öffentlichen Platz zur Projektionsfläche wird. Auf der Leinwand dampfen die Töpfe, Messer und Hände sind in Bewegung, eine Familie kommt zum gemeinsamen Essen zusammen. Doch Film bleibt nicht einfach Film: Die Schauspieler:innen treten plötzlich live in Erscheinung, mischen sich unter das Publikum, improvisieren, greifen Anregungen auf – und verschwinden anschließend wieder in der Projektion.
So entwickelt sich ein Zusammenspiel aus Film, Theater und Kulinarik, in dem ost- und westdeutsche Erinnerungen, Vorurteile und Gemeinsamkeiten aufeinandertreffen. Und weil sich manche Gegensätze am besten an einem gemeinsamen Tisch überwinden lassen, gibt es am Ende versöhnlichen Eintopf für alle.
„Das Einheitsmenü“ ist am Samstag, 3. Oktober 2026, um 19 Uhr auf dem Lübecker Koberg und am Sonntag, 4. Oktober, um 19 Uhr an der Lutherkirche, Moislinger Allee 96, zu erleben. Der Eintritt ist frei, eine Hutkasse wird erbeten. Gespielt wird bei jedem Wetter.
Gefördert und unterstützt wird das Projekt durch die Friedrich Bluhme und Else Jebsen-Stiftung, die Possehl Stiftung, den Förderverein Kommunales Kino und die Kochbuchbibliothek.
Träume für Räume: Wenn Bewohner:innen ihre Stadtteile neu erfinden
Ende Oktober folgt mit „Träume für Räume“ ein neues Projekt, das die Stadtteile St. Lorenz-Süd und Kücknitz in den Mittelpunkt rückt. Ausgangspunkt ist eine ebenso einfache wie weitreichende Frage: Was passiert, wenn Bewohner:innen ihre Stadtteile neu träumen?
In Mitmach-Aktionen und Workshops haben Kinder, Jugendliche und Senior:innen Ideen für Orte in ihren Vierteln entwickelt. Aus ihren Collagen entstanden Trickfilme. Nun kehren diese Bilder dorthin zurück, wo die Ideen ihren Ursprung haben.
Bei zwei abendlichen Stadtteil-Walks werden die Filme groß auf Fassaden projiziert. Die Teilnehmer:innen bewegen sich gemeinsam durch die Viertel und entdecken bekannte Orte aus einer neuen Perspektive. Projektionen treffen dabei auf Musik, Bewegung und weitere Überraschungen. Die Stadt wird zur Leinwand, alltägliche Orte werden zu Bühnen – und die Vorstellungen ihrer Bewohner:innen für einen Abend sichtbar.
Der erste multimediale Spaziergang führt am Sonntag, 25. Oktober 2026, von 17 bis 18.30 Uhr durch St. Lorenz-Süd. Treffpunkt ist der Kindertreff Hansering 20b. Am Mittwoch, 28. Oktober, von 17 bis 18.30 Uhr folgt der zweite Walk durch Kücknitz, der an der Dreifaltigkeitskirche, Schlesienring 1, beginnt. Die Teilnahme ist kostenlos.
Beteiligt sind Künstler:innen vom Kindertreff Hansering, dem AWO Senior:innen Treff Roter Hahn, dem Geschichtserlebnisraum Roter Hahn und dem Nachbarschaftsbüro St. Lorenz-Süd. Gefördert wird „Träume für Räume“ durch das Kulturbüro Lübeck und das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Schleswig-Holstein.
Unter uns: Spurensuche im historischen Tresorraum
Mit „Unter uns“ schlägt UrbanProjection im November einen deutlich ernsteren Ton an. Das neue Projekt beschäftigt sich mit der Entrechtung jüdischer Menschen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 und fragt insbesondere danach, was mit ihrem Eigentum geschah und welche Rolle Banken, Behörden und die Gesellschaft bei ihrer zunehmenden Ausgrenzung spielten.
Zum Schauplatz wird ein historischer Ort: der Tresorraum der ehemaligen Dresdner Bank in der Breiten Straße, heute Teil des VersuchsHauses. Dort verbindet UrbanProjection eine multimediale Performance mit historischer Spurensuche. Ein anschließendes Gesprächs- und Mitmachformat soll historische Zusammenhänge erfahrbar machen und Raum für gemeinsame Reflexion bieten.
Ende November gibt UrbanProjection einen ersten Einblick in das neue Projekt. Am Freitag, 27. November 2026, richten sich zwei Vorstellungen an Schulklassen. Der Termin von 11 bis 12.30 Uhr ist bereits ausgebucht, für die Vorstellung von 13 bis 14.30 Uhr ist eine Anmeldung unter andrea@urbanprojection.de möglich.
Am Samstag, 28. November, ist „Unter uns“ für alle Interessierten geöffnet. Vorstellungen finden von 12 bis 13.30 Uhrsowie von 15 bis 16.30 Uhr statt; eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Veranstaltungsort ist das VersuchsHaus, Breite Straße 11, 23552 Lübeck. Der Eintritt ist frei.
Gefördert und unterstützt wird das Projekt durch die Fachstelle Erinnerungskultur im Rahmen von „Zeit des Erinnerns 2026“ sowie die Partnerschaft für Demokratie Lübeck im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.
Mit den drei Projekten zeigt UrbanProjection die Bandbreite seiner Arbeit: vom spielerischen deutsch-deutschen Familientreffen über gemeinsam entwickelte Zukunftsbilder für Lübecker Stadtteile bis zur Auseinandersetzung mit einem dunklen Kapitel der Stadt- und Gesellschaftsgeschichte. Gemeinsam ist den Veranstaltungen der Versuch, Geschichten aus klassischen Aufführungsräumen herauszuholen und unmittelbar mit den Orten zu verbinden, an denen Menschen leben und Geschichte stattgefunden hat.
Weitere Informationen gibt es bei UrbanProjection und auf Instagram unter @urbanprojectionluebeck.
(Nach einer Mitteilung von Urban Projection)


