Titelbild: Geschäftsführerin Susanne Kasimir, Laudator Nils Gaup, Ehrenpreisträgerin Anne Lajla Utsi und die Künstlerische Leiterin Hanna Reifgerst, © O. Malzahn
Mit der Deutschlandpremiere des lettischen Films „Ulya“ sind die 68. Nordischen Filmtage Lübeck am Mittwochabend offiziell eröffnet worden. Zu den Höhepunkten der Gala im CineStar Stadthalle gehörten die Ehrung der Anne Lajla Utsi, Leiterin des International Sámi Film Institute, und die Vorstellung der neuen Stipendiat des Lübecker Drehbuchstipendiums.
Lübeck, 5. November 2026. Der Rote Teppich für den nordischen und baltischen Film ist ausgerollt: Mit zahlreichen Gästen aus Film, Kultur und Politik sind die 68. Nordischen Filmtage Lübeck am Mittwochabend feierlich eröffnet worden. Im CineStar Stadthalle feierten Vertreter der Filmbranche und das Publikum den Festivalauftakt. Die Nordischen Filmtage präsentieren bis zum 8. November aktuelle Filmproduktionen aus Nord- und Nordosteuropa sowie Norddeutschland. Im Mittelpunkt des Abends stand die Deutschlandpremiere von „Ulya“ (OT: „Uļa“, 2026) des lettischen Regisseurs Viesturs Kairišs. Zu den Gästen aus dem Filmteam gehörten Produzent Guntis Trekteris und Production Designerin Ieva Jurjāne. Der Eröffnungsfilm – Lettlands Oscar-Einreichung für 2027 – bildete den Auftakt zu einem Programm, das in diesem Jahr vielfach von familiären Beziehungen, gesellschaftlichen Veränderungen und dem Umgang mit Umbrüchen erzählt.
Ehrenpreis für Anne Lajla Utsi
Ein besonderer Moment der Eröffnungsgala war die Ehrung von Anne Lajla Utsi. Mit dem Ehrenpreis würdigen die Nordischen Filmtage Lübeck ihr Engagement als Leiterin des International Sámi Film Institute für das Sámi-Kino und die Sichtbarkeit indigener Perspektiven im Film. Die Laudatio hielt der norwegische Regisseur Nils Gaup, der selbst Sámi ist und für die Preisverleihung nach Lübeck kam. Mit seinem Spielfilm „Pathfinder“ (1987, OT: „Ofelaš“) sorgte er vor fast vier Jahrzehnten für den internationalen Durchbruch des Sámi-Kinos.
„Mit unglaublicher Energie, Hingabe und Drive hat Anne Lajla die Entstehung einer Filmindustrie für das Sámi-Kino überhaupt erst ermöglicht. Sie hat Brücken gebaut zwischen den Communities der sámi Filmemacher und Förderstrukturen aus dem Nichts geschaffen. Sie ist eine wahre Visionärin“, so Laudator und Regisseur von „Pathfinder“, Nils Gaup.
Anne Lajla Utsi bedankte sich bei den Nordischen Filmtagen und ihrem Laudator: „Pathfinder hat ein Feuer in mir entfacht – es war das erste Mal, dass ich mich und mein Volk auf der Leinwand sah. Seit diesem Tag habe ich nicht mehr aufgehört, unsere Kultur über das Kino sichtbar zu machen und mich für sein Empowerment und seine Zugehörigkeit einzusetzen. Unsere Geschichten sind Geschichten von – und für die Natur.“
Anne Lajla Utsi steht in diesem Jahr auch im Mittelpunkt der Hommage des Festivals. Die Werkschau eröffnet Einblicke in die Filmkultur der Sámi und zeigt, wie Filmemacher aus Sápmi ihre eigenen Geschichten und Perspektiven auf die Leinwand bringen.
„Unser diesjähriges Programm ist geprägt von Filmen, die in ihren Geschichten ganz genau hinschauen: auf familiäre Beziehungen, gesellschaftliche Umbrüche und Menschen, die ihre eigenen Wege, eigene Lösungen suchen. Dabei begegnen uns sehr unterschiedliche filmische Handschriften – mal leise und persönlich, mal politisch und voller Energie. Gerade diese enorme Vielfalt macht die Faszination der Nordischen Filmtage aus“, sagt Hanna Reifgerst, die neue künstlerische Leiterin der Nordischen Filmtage.
Susanne Kasimir, Geschäftsführerin und Leiterin der Nordischen Filmtage Lübeck: „Die Nordischen Filmtage sind weit mehr als ein Kinoereignis. Sie bereichern das kulturelle Leben in Lübeck und Schleswig-Holstein und bringen Menschen aus dem gesamten Ostseeraum zusammen. Zugleich geben sie wichtige Impulse für die Stadt und die Region – für den Tourismus, die lokale Wirtschaft und die internationale Vernetzung. Für mich ist es mein siebtes und letztes Festival: Mein Wunsch ist es, dass die Nordischen Tage als immaterielles Kulturgut der UNESCO aufgenommen werden.“ Diesen Wunsch richtete sie an den Bürgermeister und anwesende Gäste der Bürgerschaft und Politik. Dr. Philipp Salamon-Menger, Leiter der Kulturabteilung des Ministeriums für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur (MBWFK), verwies als Vertreter des Landes auf die Bedeutung der Nordischen Filmtage als Standortfaktor und verbindendes Element im Ostseeraum.

Geschäftsführerin Susanne Kasimir, Ehrenpreisträgerin Anne Lajla Utsi, Silje Somby und die Künstlerische Leiterin Hanna Reifgerst, © O. Malzahn
Gäste aus Film, Kultur und Politik
Unter den Gästen der Eröffnung waren zahlreiche Filmakteur, Vertreter internationaler Filmfestivals und Förderinstitutionen sowie Mitglieder der Festivaljurys. Aus der Filmbranche reisten unter anderem die schwedische Regisseurin Linda Hambäck, deren Animationsfilm „Dante“ im diesjährigen Festivalprogramm zu sehen ist, und Jan Göransson vom Swedish Film Institute an. Auch Vertreter von Filmförderungen und Kulturinstitutionen waren bei der Gala zu Gast, darunter Helge Albers und Nicola Jones (MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein). Aus Politik und Diplomatie nahmen unter anderem Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau, Kultursenatorin Monika Frank und der neugewählte Kultur- und Bildungssenator David Nethen an der Eröffnung teil. Zur Eröffnung kamen auch Carsten Bliddal, Honorarkonsul des Königreichs Dänemark, Petra Baader, Honorarkonsulin von Norwegen, Bernd Jorkisch, Honorarkonsul der Republik Finnland, Dan Ekholm, Botschaftsrat für Kultur und Presse der Botschaft von Finnland, Else Kveinen, Botschaftsrätin, Kultur und Presse der Königlich Norwegischen Botschaft, Anneli Strömqvist, Kulturrätin der Botschaft von Schweden, Rüdiger Alms, Kulturreferent der Königlich Norwegischen Botschaft, David Engh-Bongers, Kulturreferent der Botschaft von Schweden, und Matthias Imringer Sonne, Head of Culture and Communication der Königlich Dänischen Botschaft. Ferner waren zahlreiche Partner und Unterstützer sowie Vertreter von Institutionen anwesend.

Geschäftsführerin Susanne Kasimir, Dr. Philipp Salamon-Menger, Leiter der Kulturabteilung des Ministeriums für Allgemeine und Berufliche Bildung, und die Künstlerische Leiterin Hanna Reifgerst, © O. Malzahn
Neue Talente und neue Filmstoffe
Auch Prof. Dr. Wolfgang Sandberger, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Possehl-Stiftung, war unter den Gästen. Im Rahmen der Gala wurden die neuen Stipendiat des Lübecker Drehbuchstipendiums vorgestellt. Arne Körner und Rafael Stachowiak entwickeln gemeinsam den politischen Thriller „Rosa Liste“, während Johanna Domke mit ihrem hybriden Dokumentarfilmprojekt „Die andere Seite der Maske“ gefördert wird. Ihren Preis übergab Sandberger: „Jeder große Film beginnt mit einer Idee, die es wert ist, auf die Leinwand gebracht zu werden. Deshalb vergeben wir als Possehl-Stiftung keinen eigenen Filmpreis, sondern fördern mit unserem Drehbuchstipendium das, was jedem Film vorausgeht: die schöpferische Kraft der Fantasie. Denn bevor ein Film auf der Leinwand zu sehen ist, muss er erst einmal im Kopf entstehen“, sagte er. Susanne Kasimir übergab das Stipendium an das Filmemacher-Duo von „Rosa Liste“. Das Stipendium geht damit in seinen vierten Jahrgang. Über das Lübecker Drehbuchstipendium hinaus fördert die Possehl-Stiftung auch die Nordischen Filmtage, einschließlich der Projekte InfinityDome mit dem Ocean Day, NFLplus und Future North. Weitere Informationen zu den Projekten enthält eine gesonderte Pressemitteilung.
Mit FUTURE NORTH waren zudem junge Filmemacher aus dem nordischen und baltischen Raum sowie aus Schleswig-Holstein bei der Eröffnung vertreten. Das Talentprogramm bringt Nachwuchstalente zusammen und fördert den Austausch über Ländergrenzen hinweg.
Fast 200 Filme und rund 30 Veranstaltungen
Bereits am Dienstag, 3. November, war das Festival mit einem besonderen Erlebnis gestartet: Beim Ocean Day im InfinityDome auf dem Klingenberg tauchte das Publikum in eindrucksvolle 360-Grad-Bilderwelten rund um das Meer und seinen Schutz ein.
Bis zum 8. November zeigen die Nordischen Filmtage Lübeck in ihren zehn Festivalsektionen fast 200 Filme in rund 250 Vorstellungen. Ergänzt wird das Filmprogramm durch etwa 30 Veranstaltungen, darunter Filmgespräche, Begegnungen mit Regisseuren und weitere kulturelle Angebote. Unter dem Leitgedanken „Welt im Wandel, Welt verstehen“ laden die 68. Nordischen Filmtage dazu ein, neue Perspektiven zu entdecken und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Die 68. Nordischen Filmtage Lübeck finden vom 4. bis 8. November 2026 statt.
Erstmals 1956 veranstaltet, zählen die Nordischen Filmtage Lübeck zu den traditionsreichsten Filmfestivals weltweit. Sie sind das einzige große Publikumsfestival sowie wichtiger Treffpunkt für die Filmbranche in Deutschland und Europa, das sich ganz auf die Präsentation von Filmen aus dem Norden und dem Nordosten des Kontinents spezialisiert hat. Die Nordischen Filmtage Lübeck sind eine Veranstaltung der Hansestadt Lübeck und werden unterstützt vom Land Schleswig-Holstein, von Creative Europe MEDIA, von der Possehl-Stiftung, der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung und den Wessel Stiftungen, vom Freundeskreis der Nordischen Filmtage e.V. und dem NDR als Medienpartner. Hinzu kommen zahlreiche weitere Partner und Sponsoren: CineStar, Stadtwerke Lübeck, STAWAG Stadtwerke Aachen AG, Sudden Death, Gradwerk, skanbo, Kulturakademie der Diakonie Nord Nord Ost, die Grundstücks-Gesellschaft Trave, Convotis, tsj-architekten gmbh, Waldzimmer, Theater Lübeck, MOIN Filmförderung, Kaufmannschaft zu Lübeck, Norwegische Botschaft, Die Gemeinnützige, SUPERKUNSTFESTIVAL, ver.di, Ev.-Luth.-Kirchenkreis Lübeck, Baltic Films, Deutscher Verband Frau und Kultur e.V., von Keller-Stiftung, und die Veranstaltungsorte CineStar Stadthalle und filmhaus, Kommunales Kino Koki, KOLK 17, Theater Lübeck, InfinityDome, Europäisches Hansemuseum, Musikhochschule Lübeck und Dom zu Lübeck.
Nach einer Pressemitteilung der Nordischen Filmtage Lübeck.
Pressekontakt: Hansestadt Lübeck – Nordische Filmtage Lübeck, Nikola Mirza, Friederike Schön, presse@nordische-filmtage.de
+49 (0)451 122 1331
Weiterführende Informationen: www.nordische-filmtage.de