Titelbild: Jean-Pierre Léaud in „Antoine und Colette“ (1962), © Studio Canal

 

Rendsburg. Gleich zwei besondere Veranstaltungen stehen Ende Oktober auf dem Programm des Kommunalen Kinos Rendsburg e.V.: Am Sonnabend, 24. Oktober 2026, widmet sich ein ganzer Kinotag François Truffauts berühmter Filmfigur Antoine Doinel und damit zugleich einem zentralen Werk der französischen Nouvelle Vague. Nur wenige Tage später, am Freitag, 30. Oktober, wird G. W. Pabsts Stummfilmklassiker „Geheimnisse einer Seele“ von 1926 in der Rendsburger Christkirche gezeigt – live an der Orgel begleitet von Volker Linhardt.

Ein Tag mit Antoine Doinel – François Truffaut und die Nouvelle Vague

Am Sonnabend, 24. Oktober 2026, lädt das Kommunale Kino Rendsburg im Schauburg Filmtheater zu einem außergewöhnlichen Filmtag ein: Von 11 bis 19 Uhr ist der vollständige Antoine-Doinel-Zyklus von François Truffaut zu sehen. In fünf Filmen begleitet Truffaut seinen von Jean-Pierre Léaud verkörperten Helden über einen Zeitraum von fast zwanzig Jahren – vom schwierigen Jugendlichen bis zum erwachsenen Mann, dessen Beziehungen immer wieder an seiner Rastlosigkeit und Unentschlossenheit scheitern.

 

Jean-Pierre Léaud in "Sie küssten und sie schlugen ihn" (1960)

Jean-Pierre Léaud in „Sie küssten und sie schlugen ihn“ (1960)

Den Auftakt macht um 11 Uhr Truffauts Regiedebüt Sie küssten und sie schlugen ihn von 1959. Der stark autobiografisch geprägte Film erzählt vom 13-jährigen Antoine, der von seinen Eltern vernachlässigt und von seinen Lehrern missverstanden wird. Der Film wurde zu einem der Schlüsselwerke der Nouvelle Vague; Truffaut erhielt bei den Filmfestspielen in Cannes den Regiepreis, außerdem wurde der Film für den Oscar für das beste Drehbuch nominiert.

 

Antoine Doinel 04 © Studio Canal

Jean-Pierre Léaud und Claude Jade in „Tisch und Bett“ (1970)

Es folgen um 12.45 Uhr der Kurzfilm „Antoine und Colette“ (1962), um 13.40 Uhr „Geraubte Küsse“ (1968), um 15.30 Uhr „Tisch und Bett“ (1970) und schließlich um 17.30 Uhr „Liebe auf der Flucht“ (1978). Damit lässt sich an einem einzigen Tag verfolgen, wie Truffaut seine Figur und zugleich Jean-Pierre Léaud mit den Jahren altern lässt. Der abschließende Film blickt dabei noch einmal auf den gesamten Zyklus zurück: Truffaut montierte zahlreiche Szenen aus den vorhergehenden Filmen in die neue Geschichte und verband sie mit neu gedrehtem Material.

Der Antoine-Doinel-Zyklus ist zugleich eng mit der Geschichte der Nouvelle Vague verbunden. Ende der 1950er-Jahre brachen junge französische Filmkritiker und Regisseure wie François Truffaut, Jean-Luc Godard, Claude Chabrol, Jacques Rivette und Éric Rohmer mit den Konventionen des etablierten französischen Kinos. Dreharbeiten an Originalschauplätzen, Handkamera, Jump-Cuts und eine neue Vorstellung vom Regisseur als Autor des Films prägten eine Bewegung, die das internationale Kino nachhaltig beeinflusste.

Der Filmtag beginnt um 10.30 Uhr mit Empfang und Begrüßung. Zwischen den Filmen gibt es Pausen mit französischem Imbiss, Kaffee und Croissants. Der Eintritt für den gesamten Tag beträgt 30 Euro einschließlich Verzehr, einzelne Filme kosten 7,50 Euro. Veranstaltungsort ist das Schauburg Filmtheater, Schleifmühlenstraße 8, 24768 Rendsburg. Um rechtzeitige Anmeldung unter 04331 23777 oder über die Internetseite des Schauburg Filmtheaters wird gebeten.

 

 

Geheimnisse einer Seele © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Im Rahmen der Berlinale Classics 2026 und zum 100. Jubiläum uraufgeführt: Die restaurierte Fassung von G. W. Pabsts „Geheimnisse einer Seele“, © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Stummfilm und Orgel: „Geheimnisse einer Seele“

Eine Woche später wechselt das Kommunale Kino vom Kinosaal in die Kirche. Am Freitag, 30. Oktober 2026, um 19 Uhr zeigt es gemeinsam mit der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Rendsburg in der Christkirche G. W. Pabsts Stummfilm „Geheimnisse einer Seele“. Volker Linhardt begleitet den Film live an der Orgel der Christkirche. Der Eintritt ist frei, um eine Kollekte wird gebeten.

Der 1926 entstandene Film mit Werner Krauß, Ruth Weyher und Ilka Grüning gehört zu den ungewöhnlichsten Werken der deutschen Stummfilmzeit. Im Mittelpunkt steht ein Chemiker, der nach der angekündigten Rückkehr des Vetters seiner Frau von verstörenden Träumen heimgesucht wird. Darin versucht er, seine Frau zu erstechen. Der Traum entwickelt sich zur Obsession und schließlich zu einer Messerphobie. Als seine wachsende Verzweiflung in einem tatsächlichen Angriff auf seine Frau mündet, sucht der Mann Hilfe bei einem Psychoanalytiker.

Pabst verband in „Geheimnisse einer Seele“ die damals noch junge Psychoanalyse mit der Ausdruckskraft des Stummfilms. Unter Beratung zweier Mitarbeiter Sigmund Freuds entstand ein Film, der den Anspruch erhob, einen psychischen Krankheitsfall auf wissenschaftlicher Grundlage filmisch darzustellen und dabei eine eindrucksvolle Bildsprache entwickelte.

Gezeigt wird ein Film aus dem Bestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden, der im Rahmen des Förderprogramms Filmerbe digitalisiert wurde. Die Verbindung dieser restaurierten historischen Bilder mit der live gespielten Orgel macht die Vorführung zugleich zu einem besonderen Kino- und Konzerterlebnis.

Das Stummfilmkonzert findet in der Christkirche, Prinzenstraße 13, 24768 Rendsburg, statt. Veranstalter sind die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Rendsburg und das Kommunale Kino Rendsburg e.V. Der Eintritt ist frei, eine Kollekte wird erbeten.

(Nach einer Mitteilung des Kommunalen Kinos Rendsburg e.V.)

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