Titelbild: Peter Weller in RoboCop by Paul Verhoeven, © Image courtesy of Park Circus/Amazon MGM

Zum 100. Jubiläum von Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ (1927) widmet sich die Retrospektive der 77. Internationalen Filmfestspiele Berlin filmischen Zukunftsvisionen, Dystopien und Formen des Widerstands. Unter dem Titel „Rage Against the Machine“ versammelt die von der Deutschen Kinemathek kuratierte Reihe rund 20 Filme, die von der Rebellion gegen Maschinen und autoritäre Systeme, patriarchale Machtstrukturen und gesellschaftliche Kontrolle erzählen.

Hundert Jahre nach der Uraufführung von Fritz Langs „Metropolis“ haben die Fragen, die der Film aufwarf, nichts von ihrer Aktualität verloren: Wie funktionieren Autorität und Kontrolle? Beherrscht der Mensch die Technologie oder wird er längst von ihr beherrscht? Und welche Möglichkeiten bleiben dem Einzelnen, sich gegen gesellschaftliche und politische Machtstrukturen aufzulehnen?

Die Retrospektive der Berlinale 2027 greift diese Fragen auf und spannt einen filmhistorischen Bogen von postapokalyptischen Szenarien über Cyberpunk bis hin zu politischen Allegorien. Im Mittelpunkt stehen alternative Welten, in denen Freiheit, Identität und Selbstbestimmung neu verhandelt werden. Die vier thematischen Schwerpunkte Urbanismus, Künstliche Intelligenz, Feminismus und Kapitalismus strukturieren die Filmauswahl.

Das Programm verbindet dabei unterschiedliche filmische Traditionen und Produktionsformen: US-amerikanische Blockbuster wie Paul Verhoevens „RoboCop“ (1987) stehen neben Underground-Produktionen wie „Decoder“ (1984) von Muscha und japanischen Animes wie „Robotic Angel“ (2001) von Rintaro. Auch das deutsche Filmerbe ist vertreten, unter anderem mit Helma Sanders-Brahms‘ „Die letzten Tage von Gomorrha“ (1974). Einen besonderen Schwerpunkt bilden Filme, die marginalisierten Perspektiven Raum geben und gesellschaftliche Machtverhältnisse aus ungewohnten Blickwinkeln betrachten. Dazu gehört Ngozi Onwurahs „Welcome II the Terrordome“ (1995), der erste abendfüllende britische Spielfilm einer Schwarzen Regisseurin, der in einer aktuellen Restaurierung gezeigt wird.

Gemeinsames Leitmotiv dieser sehr unterschiedlichen Werke ist die Rebellion: der Widerstand gegen Maschinen, Systeme und Künstliche Intelligenz, der feministische Aufstand gegen patriarchale Herrschaft sowie die Auflehnung von Individuen und unterdrückten Gruppen gegen staatliche Macht, Ideologien und soziale Kontrolle.

„100 Jahre nach ‚Metropolis‘ stehen Regisseur*innen im Mittelpunkt, die ihre eigenen Welten und Zukunftsvisionen kreieren“, erläutert Heleen Gerritsen, Künstlerische Direktorin der Deutschen Kinemathek und Leiterin der Berlinale-Retrospektive sowie der Berlinale Classics. Die ästhetische Bandbreite reiche dabei „von Big-Budget-Mainstream bis Underground“. Als Beispiel nennt Gerritsen Helma Sanders-Brahms‘ „Die letzten Tage von Gomorrha“, der in Einkaufszentren gedreht wurde und eine Punk-Ästhetik aufweist. Besonders interessant sei, dass das Genre auch Minderheiten die Möglichkeit biete, alternative und systemkritische Zukunftsvisionen zu entwickeln.

Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle hebt insbesondere den zeitgenössischen Zugang der Retrospektive hervor. Obwohl Fritz Langs „Metropolis“ zu den am intensivsten erforschten Filmen der Stummfilmzeit gehöre, gebe es immer noch Neues zu entdecken. Heleen Gerritsen und ihr Team hätten einen Ansatz gewählt, der die bemerkenswerte Weitsicht des Films und seinen bis heute spürbaren Einfluss auf Kino und Kultur aus einer zugleich aktuellen und provokativen Perspektive beleuchte: „punkig, feministisch, jung, provokativ und mitreißend“.

Die Retrospektive entsteht erneut in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek und wird durch die Ausstellung „The Metropolis Century – Dystopia and Rebellion“ ergänzt, die vom 18. März bis zum 26. September 2027 in der Deutschen Kinemathek im Berliner E-Werk zu sehen sein wird. Begleitend sind Paneldiskussionen und Netzwerkveranstaltungen geplant.

Das vollständige Programm der rund 20 Filme umfassenden Retrospektive soll im Dezember 2026 bekannt gegeben werden.

 

(Nach einer Pressemeldung der Internationalen Filmfestspiele Berlin)

Pressekontakt: press@berlinale.de 

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