Titelbild: Star-Trek-Festival im Studio-Kino – Liebevoll gestaltete Dauerkarten, Gutscheine und natürlich Tribbles, © Anne-Elisabeth Eimuth

 

Mit einem dreitägigen Festival feiert das Studio Filmtheater in Kiel 60 Jahre „Star Trek“. Das von Thomas Heuer und seinen Mitstreiter:innen zusammengestellte Programm zeigt zugleich, was Repertoire-Kino leisten kann: Filme werden nicht nur wiederaufgeführt, sondern kuratiert, eingeordnet und in ihrem ursprünglichen Erlebnisraum neu entdeckt.

Wer an diesem Wochenende das Studio Filmtheater am Kieler Dreiecksplatz betritt, kommt nicht einfach in ein Kino. Für vier Tage ist das Haus auch ein kleines Star-Trek-Museum. Poster hängen an den Wänden, Vitrinen sind mit Memorabilia gefüllt, ein Büchertisch lädt zum Stöbern ein. Das gesamte Programm findet sich in einem eigens gestalteten Katalog mit begleitenden Texten. Dauerkarten samt Getränke- und Essensgutscheinen kommen stilecht in Form eines Transponders daher, kleine Anhänger aus dem 3-D-Drucker werden kostenlos an das Publikum verteilt. Es ist diese Detailliebe, die schon vor dem ersten Filmbild deutlich macht: Hier haben Fans für Fans ein Festival organisiert.

Anlass sind 60 Jahre Star Trek. Vom 18. bis 20. September widmet das Studio Filmtheater dem Jubiläum ein umfangreiches Programm mit zehn Kinofilmen, ausgewählten Fernsehfolgen und Raritäten aus der Geschichte des Franchise. Eröffnet wurde das Festival am Donnerstagabend mit „Star Trek: The Motion Picture“ von Robert Wise aus dem Jahr 1979 – und einer Einführung von Thomas Heuer.

Thomas Heuer führt in "Star Trek - The Motion Picture" ein - inklusive Star-Trek-Quiz

Thomas Heuer führt in „Star Trek – The Motion Picture“ ein – inklusive Star-Trek-Quiz, © Anne-Elisabeth Eimuth

 

Filmwissenschaftler und Film-Nerd

Wer Heuers Einführungen im Studio kennt, weiß, was ihn erwartet: cineastisches Spezialwissen und filmanalytisches Denken, aber nicht vom Dozentenpult herab, sondern auf Augenhöhe mit dem Publikum. Der an der Humboldt-Universität zu Berlin promovierte Medienwissenschaftler kann über Produktionsgeschichte, Schnittfassungen und Genrekonventionen sprechen – und im nächsten Moment bei einem Detail landen, das vor allem eingefleischte Fans elektrisiert. In seinen Einführungen ist der Wissenschaftler ebenso präsent wie der Nerd.

Das passt zu diesem Abend. „You make Star Trek, utopian thinking, reality“, sagt Heuer zur Begrüßung. Dass Menschen zusammenkommen, um gemeinsam Filme anzusehen, die Jahrzehnte alt sind und teilweise – wie er augenzwinkernd anmerkt – ausgesprochen schlechte Kritiken erhalten haben, gehört für ihn zu dieser besonderen Gemeinschaft. Rund zwei Jahre habe er auf diesen Moment hingearbeitet. Nun schließe sich für ihn ein Kreis.

Dabei haben Heuer und seine Mitstreiter nicht einfach jene Star-Trek-Kinofilme hintereinander programmiert, die Paramount derzeit in neuen Abtastungen für Kinoaufführungen anbietet. Das Festival stellt sie in ihre erzählerischen Zusammenhänge zurück. An jedem Festivaltag ergänzen ausgewählte TV-Episoden das Kinoprogramm und schlagen Brücken zu Figuren, Motiven und Erzählbögen der Spielfilme.

Hinzu kommen Raritäten wie eine frühe Fassung von „Where No Man Has Gone Before“ von 1965. Die Episode war als zweiter Pilotfilm der Serie produziert worden; Die Schauspielerin, TV-Ikone und Studiobesitzerin Lucille Ball protegierte Star-Trek-Erfinder Gene Roddenberry, nutze ihre vertraglich zugesicherte Rechte und nötigte den mächtigen Sender NBC, der bereits abgekündigten Serie eine zweite Chance zu geben. Mit William Shattner als Captain James T. Kirk sowie weiteren, neuen, heute legendären Charakteren gelangte der Pilot Ende 1966 ins amerikanische Fernsehen. Der Rest ist Filmgeschichte.

Auch bei den Kinofilmen werden, soweit vorhanden, besondere Fassungen gezeigt. So startete das Festival mit „Star Trek: The Motion Picture – The Director’s Edition“. Gerade auf der großen Leinwand lässt sich erleben, warum sich die Beschäftigung mit unterschiedlichen Schnittfassungen lohnt: Robert Wises bevorzugte Version besitzt einen deutlich strafferen Erzählfluss als die unter erheblichem Zeitdruck fertiggestellte Kinofassung von 1979. Aus einer Wiederaufführung wird so eine Wiederentdeckung.

Star Trek Memorabilia

Das Kino wird zum Filmmuseum: Star Trek Memorabilia, © Daniel Krönke

 

Die neue Lust am Repertoire-Kino

Thomas Heuer ist in den vergangenen Jahren zu einer prägenden Figur des Kieler Repertoire-Kinos geworden. Im Studio Filmtheater begleitet er unter anderem die Lichtperlen und die auf das Horrorgenre spezialisierten Onyx-Perlen mit Einführungen.

Gemeinsam mit Heike Behnke und Peter Ahlers gehört er außerdem zum Kuratorenteam von Mondo Grindhouse. Die Reihe widmet sich Regionen der Filmgeschichte, die im klassischen Kanon gerne übersehen werden: Low-Budget-Produktionen, Exploitation, Horror, Trash und Kultfilmen. Aus der Reihe ist inzwischen ein eigenes Festival hervorgegangen, das 2026 bereits zum vierten Mal stattfand.

Das Star-Trek-Wochenende überträgt dieses kuratorische Prinzip auf eines der größten popkulturellen Phänomene der vergangenen 60 Jahre. Filme werden hier nicht deshalb gezeigt, weil ein Algorithmus gerade Interesse an ihnen festgestellt hat. Jemand hat sie ausgewählt, in Beziehung zueinander gesetzt und entschieden, warum es sich lohnt, sie heute wieder im Kino zu sehen.

Für ein Publikum, das dem Repertoire-Kino zugeneigt ist, herrschen in Kiel derzeit ohnehin erfreulich gute Zeiten. Denn das Studio Filmtheater steht mit Lichtperlen, Onyx-Perlen, Mondo Grindhouse und seinen Sonderveranstaltungen nicht allein. Auch das Kino in der Pumpe mit seinen Kuratoren Eckhard Pabst und David Schepers hat mit seinen gut angenommenen Werkschauen – etwa zu G. W. Pabst, David Lynch und Stanley Kubrick – und regelmäßigen Stummfilmaufführungen mit Live-Musik einen Raum geschaffen, in dem Filmgeschichte wieder zum Kinoereignis wird. Augenblicklich laufen Highlights aus dem Schaffen von Béla Tarr sowie Ingmar Bergman. Die nächste umfassende Regiesseur-Reihe wird augenblicklich vorbereitet.

Gerade jüngere Filmfans erhalten damit die Gelegenheit, Filme, die sie vielleicht nur vom Fernseher, vom Laptop oder aus dem Streaming-Angebot kennen, unter den Bedingungen zu entdecken, für die sie geschaffen wurden: im dunklen Saal, gemeinsam mit einem Publikum und auf der großen Leinwand.

Erfreulicherweise verliert dabei auch die vermeintlich klare Trennung zwischen „Filmkunst“ und „Publikumsfilm“ an Bedeutung. Ein Werk von G. W. Pabst kann ebenso Gegenstand einer cineastischen Wiederentdeckung sein wie Kubrick und Lynch, ein fast vergessenes Grindhouse-Movie – oder die Reise des Raumschiffs Enterprise.

Vielleicht liegt darin die besondere Qualität der gegenwärtigen Kieler Repertoire-Kultur: Filmgeschichte wird nicht museal verwaltet, sondern wieder vorgeführt.

Thomas Heuer formulierte es zum Auftakt des Star-Trek-Festivals weniger akademisch. Es sei eine Ehre, diese Filme gemeinsam mit Menschen zu sehen, die bereit seien, ein ganzes Wochenende im Kino zu verbringen – wegen der Botschaften, der Gefühle und der Größe, die sie noch immer enthielten.

Dann wurde das Licht gedimmt. Die Leinwand gehörte der Crew der Enterprise. (dakro)

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