In loser Folge veröffentlicht infomedia.sh Drehberichte von Studierenden des Studienganges Multimedia Production der HAW Kiel. Die Filme sind im Rahmen des Moduls „Audio- und Videoproduktion 2“ entstanden (Dozenten: Tobias Hochscherf, Gunnar Eisenberg, Christian Mertens und Eike Endrikat). Es handelt sich meist um die ersten, fiktionalen Filme, die die Studierenden jemals gedreht haben. Echte Erstlingswerke also. Der 4. Beitrag: „Idylle”.

Die Produktion des Kurzfilms „Idylle“ wurde im Zeitraum vom 19.01. bis zum 23.01.2026 realisiert. Mit einer geplanten Drehzeit von fünf Tagen lag der Fokus auf einer akribischen Planung. Der Film thematisiert das Schicksal von Jonas, der nach einem tödlichen Autounfall von seinen Schuldgefühlen heimgesucht wird und dessen ruhiger Abend mit seiner Frau in einem Albtraum eskaliert. Als zentraler Handlungsort diente ein abgelegenes Strandhaus an der Ostsee, das nach langer Suche als motivisch perfekt identifiziert wurde und für die gesamte Dauer des Drehs als Hauptlocation fungierte.

Der erste Drehtag stand im Zeichen der Vorbereitung. Aufgrund der isolierten Lage der Location und einer Anfahrt von knapp einer Stunde pro Strecke war ein effizientes Zeitmanagement essentiell. Wir nutzten den Tag primär für den Transport des Equipments und den Setaufbau. Um sicherzustellen, dass das Team am darauffolgenden Tag ausgeruht starten konnte, entschieden wir uns kurzfristig, die geplanten Detailshots auf den fünften Tag (unseren Puffer-Tag) zu verschieben.

Da die Handlung des Films primär in der Dunkelheit spielt, war die Lichtplanung essentiell. Wir begannen den zweiten Tag mit der Badezimmerszene, da sich dieser Raum als einziger zu 100 % künstlich abdunkeln ließ. Trotz anfänglicher Platzprobleme für die Kamera und der üblichen Berührungsängste zwischen der noch unbekannten Crew und dem Cast, etablierte sich schnell eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre. Besonders die Unterstützung durch freiwillige Helfer aus dem privaten Umfeld fügte sich nahtlos in die professionellen Abläufe ein.

Nach Einbruch der Dunkelheit folgte die organisatorisch anspruchsvollste Szene im Außenbereich. Hier wurden wir mit zwei großen Herausforderungen konfrontiert: Zum einen zwangen uns die baulichen Gegebenheiten vor Ort dazu, eine essentielle Einstellung spontan umzuplanen. Zum anderen erschwerten die extreme Kälte und der starke Wind an der Ostsee die Arbeit auf dem Balkon massiv. Die Koordination zwischen der Crew auf dem Balkon und dem Team auf der Straße (inklusive eines präzise getimten Autos) erforderte viele Takes, was dem Cast bei den ungemütlichen Wetterbedingungen viel abverlangte. Obwohl diese Szene für die aktuelle Prüfungsfassung aufgrund der Zeitvorgaben gekürzt werden musste, bleibt sie ein wichtiger Bestandteil für die geplante Festival-Version. Der Drehtag endete nach einer intensiven Nachtschicht gegen Mitternacht.

Der dritte Tag war durch eine späte Call-Time geprägt, was zu einem geplanten Drehende um 02:30 Uhr führte. Während die Chemie im Team merklich gewachsen war, stellte uns die erste Szene des Tages vor zeitliche Probleme, da die Umsetzung weitaus komplexer war als antizipiert. Um den Zeitplan nicht zu gefährden, verkürzten wir die Pausen und steigerten das Tempo bei der Folgeszene. Dank dieser Disziplin konnten wir den Drehtag gegen 03:00 Uhr erfolgreich abschließen, was angesichts der Belastung eine starke Teamleistung darstellte.

Trotz technischer Komplikationen im Vorfeld und logistischer Verzögerungen vor der Call-Time, entwickelte sich der vierte Tag zum produktivsten der gesamten Woche. Mit Einbruch der Dunkelheit drehten wir Szene 5, wobei die Lernkurve der vorangegangenen Tage deutlich spürbar war: Wir benötigten signifikant weniger Takes pro Einstellung und arbeiteten hochgradig konzentriert. Dies führte dazu, dass wir trotz der anfänglichen Verzögerungen vor dem Zeitplan fertig wurden. Den Abschluss des Tages feierten wir mit dem „Wrap“ für unsere Schauspieler und einem gemeinsamen Moment für unsere Kamerafrau, die pünktlich zum Drehschluss ihren Geburtstag feierte.

Der finale Tag diente dazu, die verbliebenen Detailshots sowie die Aufnahmen für die Titelsequenz und die Credits nachzuholen. Besonders die Gestaltung des Credit-Shots erforderte aufgrund technischer Abweichungen viel Improvisationstalent, führte jedoch letztlich zu einem visuell zufriedenstellenden Ergebnis. Der Tag endete mit dem Rückbau des Sets. Das uns zur Verfügung gestellte AirBnB wurde am Folgetag nämlich direkt wieder normal vermietet.

Rückblickend war die Produktion von „Idylle“ ein intensiver Lernprozess für alle Beteiligten. Die anfänglichen Schwierigkeiten in der Koordination und die Herausforderungen durch Gegebenheiten in Bezug auf das Wetter wurden durch eine stetig wachsende Professionalität und ein starkes Miteinander kompensiert. Die Entscheidung für eine zentrale Location war trotz der langen Fahrtwege goldrichtig für die Atmosphäre des Films. Wir blicken nun auf eine erfolgreiche Drehphase zurück und starten mit qualitativ hochwertigem Material in die Postproduktion.

(nach einem Drehbericht des Film-Teams, Finn Meinen, redaktionell leicht bearbeitet)

 

Fotos: Dreharbeiten zu „Idylle“ (© Film-Team)
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