80 Jahre Schleswig-Holstein – das ist weit mehr als nur ein runder Landesgeburtstag. Das ist gelebte Geschichte, Identität, Heimat und jede Menge Windkraft. Das Kino in der Pumpe blickt auf acht Jahrzehnte voller Umbrüche und Veränderungen, aber auch voller Humor, Geschichten und nicht zuletzt auch Kuriositäten. Das Kino dokumentiert nicht nur Fakten; es fängt das Lebensgefühl, die Brüche und die Sehnsüchte der Menschen ein. In der Reihe „80 Jahre Schleswig-Holstein – Horizonte im Wandel“ das Kino in der Pumpe einen Blick auf all die unterschiedlichen Facetten werfen, die gemeinsam das Lebensgefühl im „Land der Horizonte“ ausmachen.

Die Pumpe ist seit jeher das pulsierende Herz der Kulturszene der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt. Das Kino in der Pumpe bietet seit seiner Gründung 1979 einen Raum für das Filmschaffen aus dem nördlichsten Bundesland und ist damit selbst ein Stück gelebte Geschichte. In der Filmreihe bringt das Kino an vier Abenden die unterschiedlichsten Formate filmischer Blicke auf die Geschichte unseres Landes auf die große Leinwand. Denn von der großen Literaturverfilmung bis zu den ersten filmischen Gehversuchen junger Talente von den örtlichen Hochschulen ist das regionale Kino stets ein wichtiger Bestandteil des Programms der Pumpe.

Darum feiert das Kino in der Pumpe und Die Pumpe e.V. in diesem Jahr nicht nur acht Jahrzehnte Schleswig-Holstein, sondern auch achtzig Jahre Kino im Land zwischen den Meeren. Das Kino in der Pumpe wünscht seinen Besuchern bewegende Kinomomente, anregende Diskussionen im Anschluss und eine inspirierende Zeitreise durch den echten Norden.

 

Still aus "Amrum"

„Amrum“ von Fatih Akim

Mittwoch, 23. 09. 2026, 19:00 Uhr: Amrum
Fatih Akin. D 2025. 93 Min. Mit Jasper Billerbeck, Laura Tonke, Diane Kruger, Lars Jessen, Detlev
Buck.
Ein kleines Dorf auf der Nordseeinsel Amrum, wir sind in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges. Der 12-jährige Nanning wurde mit seiner Mutter Hille und seiner Tante Ena in Hamburg ausgebombt, nun lebt er bei Verwandten auf der Insel und hilft bei der bäuerlichen Arbeit. Nannings Eltern sind stramme Nazis, anders als die Inselbewohner. Als Nanning eine Bemerkung der Bäuerin Tessa aufschnappt, dass der Krieg wohl bald vorbei ist, und dies am Küchentisch kundtut, fühlt sich Mutter Hille gefordert, Tessa zu denunzieren. Als dann die Nachricht vom Tod Adolf Hitlers eintrifft, wird allen Beteiligten klar, dass die Welt nicht mehr so bleiben wird, wie sie zwölf Jahre lang behauptet hatte zu sein: Inselvolk und Familie müssen die eigenen Werte, Positionen und auch ihr Lügen neu überdenken. Einer der großen Kinoerfolge des zurückliegenden Jahres spielt kurz vor der „Geburtsstunde“ des Landes Schleswig-Holstein und wirft einen Blick in jene Phase der Ungewissheit, in der Untergang und Neubeginn miteinander rangen.
Einführende Bemerkungen zur historischen Situation gibt Dr. Jan Schlürmann, Referatsleiter für Parlamentsgeschichte der Landtagsverwaltung SH.

 

Sonntag, 04. 10. 2026, 16:00 Uhr: Schleswig-Holstein: Ende und Anfang im Mai 1945
Thorsten Jeß. D 1995. 30 Min. TV-Dokumentation
Der zum 50. Jahrestag des Endes von Krieg und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft im Auftrag des Landes produzierte Film nimmt den Mai 1945 als Wendepunkt zum Anlass für einen geschichtlichen Rückblick und Ausblick. Anhand von Archivmaterial wird der Aufstieg des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein nachgezeichnet, das Leben in der Kriegs- und Nachkriegszeit gezeigt und der Aufbau demokratischer Institutionen dokumentiert. Vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Erfahrungen erläutern Zeitzeugen (u.a. der Sozialdemokrat Erich Arp und der im britischen Dienst stehende Offizier Michael Thomas) die geschichtlichen Abläufe und politischen Prozesse.
Thorsten Jeß, geboren 1955, ist in Schleswig-Holstein aufgewachsen und hat an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studiert. Zur Filmvorstellung ist er anwesend und spricht über die Entstehung des Films

1975 – die Visionen für das Jahr 2000
8-minütiger TV-Beitrag mit humoristischer Note
Wie mag Schleswig-Holstein in der Zukunft aussehen? Diese Frage stellten sich TV-Redakteure des NDR im Jahr 1975 und stellten – durchaus augenzwinkernd – einige Prognosen an, die heute ziemlich kurios erscheinen: So würden im Jahr 2000 alle Nordfriesischen Inseln eingedeicht sein, im Land liefern ca. 30 Atomkraftwerke zuverlässig Strom und die Bundesbahn stellt den Betrieb
weitgehend ein, weil es doch jetzt so viele sechsspurige Autobahnen gibt…
Diese und andere Facetten des historischen Blicks in die Zukunft erläutert und diskutiert mit dem Publikum die Kieler Historikerin Anne Krohn von der CAU.

 

"Erst die Arbeit und dann?" von Detlev Buck

„Erst die Arbeit und dann?“ von Detlev Buck

Freitag, 23. 10. 2026, 18:00 Uhr: Erst die Arbeit und dann?
Detlev Buck. BRD 1984. 44 Min. Mit Detlev Buck, Ela Nitzsche
Gerhard Ramm, ca. 20-jähriger Sohn auf einem Bauernhof im Herzen Schleswig-Holsteins, hat einen kühnen Plan: Heute nachmittag, wenn die üblichen landwirtschaftlichen Arbeiten erledigt sind, wird er nach Hamburg fahren und dort ein hippes Szenelokal besuchen. Schnell noch Papas Mercedes betankt und los geht’s. In besagter Location bestellt er sich einen coolen Drink und macht die Bekanntschaft einer noch viel cooleren Szenelokalbesucherin – die gibt sich zwar alle Mühe, dem Landei mit soviel Herablassung wie möglich zu begegnen, aber Gerhard lässt sich nicht abwimmeln; schließlich beginnt für beide doch noch ein gemeinsamer Abend, bei dem sie u.a. angesagte Kunstateliers und Pizzaläden aufsuchen und schließlich noch ein Holsten zu trinken…
Das mittlerweile zum Kultfilm gewordene Erstlingswerk von Detlev Buck, einem der erfolgreichsten deutschen Filmkünstler der Gegenwart. Mit liebevollem Blick auf seine schleswig-holsteinische Heimat zeichnet er ein auch heute noch überzeugendes Bild vom Culture Clash zwischen Provinzialität und Urbanität – wobei die Sympathieverteilung eindeutig zu Gunsten unseres nördlichen Bundeslandes ausfällt. Aber ein Trost bleibt den snobistischen Großstädter: Sie können dazulernen!
Zur Einführung gibt Dr Eckhard Pabst, Kino in der Pumpe und HAW Kiel, anhand einiger Filmbeispiele einen kurzen Einblick zum Bild Schleswig-Holsteins im deutschen Kino.

 

"Schnee von gestern. Der private Blick auf die Schneekatastrophe 1978/79" von Gerald Grote und Claus Oppermann

„Schnee von gestern. Der private Blick auf die Schneekatastrophe 1978/79“ von Gerald Grote und Claus Oppermann

Sonntag, 29. 11. 2026, 16:00 Uhr: Schnee von gestern. Der private Blick auf die Schneekatastrophe 1978/79
Gerald Grote, Claus Oppermann, D 2008. 55 Min.
Den Älteren ist sie noch gut in Erinnerung: die so genannte Schneekatastrophe, die zum Jahreswechsel 1978-79 das Land Schleswig-Holstein in Atem hielt – und tatsächlich auch schwere Schäden verursachte, Versorgungsnotlagen auslöste und einige Todesopfer forderte. Durch einen drei Tage anhaltenden Schneesturm mit schweren Sturmböen bis zu 10 Windstärken lag meterhoch Schnee. Strom- und Telekommunikationsnetze brachen zusammen, Verkehrswege und somit die Versorgung waren örtlich tagelang stillgelegt. Manche Gemeinden auf dem Land mussten von Hubschraubern aus der Luft versorgt werden, andernorts räumten Panzer der Bundeswehr die Zufahrtswege wieder frei.
Dreißig Jahre später starteten die Kieler Filmemacher Gerald Grote und Claus Oppermann einen Aufruf in allen Tageszeitungen des Landes, mit der Bitte, seinerzeit entstandene Filmaufnahmen auf dem damals üblichen Super-8-Format einzureichen. Aus 14.250 Meter Film mit ca. 40 Stunden Laufzeit kompilierten die beiden einen unterhaltsamen Film, in dem sich die privaten Blicke auf Dramatisches, auf Kurioses, auf Naturmächtiges und auch auf Schönes zu einem breitgefächerten Panorama fügen. Und ganz nebenbei: Beim Betrachten dieser Bilder wird sich so mancher Zuschauer insgeheim darüber wundern, welchen Bedeutungsverlust der Begriff „Schneekatastrophe“ heutzutage erfährt, wenn Verkehrsunternehmen ihren Betrieb vorsorglich einstellen, weil eine einsame Schneeflocke sich zu uns verirrt.
Zu Gast: Gerald Grote, Filmemacher und Produzent vieler Filme zur Geschichte Schleswig-Holsteins.

 

Nach einer Mitteilung des Kinos in der Pumpe und Die Pumpe e.V.

Alle Informationen im Programmheft (PDF).

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