Dokumentiert: Presseerklärung der Bundesvereinigung des deutschen Films zur Deutschen Filmakademie

Wer braucht die Deutsche Filmakademie?

Die Bundesvereinigung des Deutschen Films e.V. stellt fest: Die Gründung einer Akademie zur Auswahl des Deutschen Filmpreises ist unausgegoren, in ihrer Entstehungsgeschichte dubios und in ihrer Zielrichtung unklar.

Die Akademie soll das bisherige Auswahlgremium ersetzen, an dem u.a. kritisiert wird, dass der an den Kassen erfolgreiche deutsche Film nicht genügend berücksichtigt wird.

Der interessierten und kompetenten Branchenöffentlichkeit wurde der Beschluss mitgeteilt, dass die Akademie gegründet wird. Keine Kommunikation über die Hintergründe, keine Diskussion, jedenfalls nicht mit dem Teil der Branche, der sich mit dem Film als künstlerischem Produkt befasst.

Wie kam der Plan zur Gründung der Akademie zustande, wer entwickelt die Ausformung, wie soll sie zusammengesetzt werden, wie wird das finanziert, wie sieht das Auswahlverfahren aus, nach welchen neuen (?) Kriterien wird gewählt?

Der Verdacht drängt sich auf, dass genau die Filme mit künstlerischem Impetus, die die Bundesvereinigung des Deutschen Films vertritt, tendenziell ausgegrenzt werden sollen zugunsten “wirtschaftlich erfolgreicher Filme”. Diese Vorgehensweise ist undemokratisch.

Auf unsinnige Weise soll wieder einmal Hollywood und dem Oscar nachgeeifert werden, wobei man im Kulturstaatsministerium anscheinend vergisst, dass der Deutsche Filmpreis ein Förderpreis ist, der mit erklecklichen Summen ausgestattet ist und eine klare Aufgabenstellung hat.

Überhaupt: Was ist gegen die Entscheidungen des bisherigen Gremiums einzuwenden? Höchstens, dass sie zum Teil langweilig und kompromisslerisch sind, aber bestimmt nicht, dass sie den erfolgreichen deutschen Film vernachlässigen. Insgesamt kommen die meisten deutschen Spitzenfilme zum Zuge. Eher möchte man der Jury ab und an mehr Wagemut wünschen.

Kritisiert wird am Ende jede Jury-Entscheidung. Die Vorgänge um die Gründung der Akademie müssen transparent gemacht werden, die Kosten offen gelegt und der Nutzen des aufwendigen, neuen Verfahrens für den deutschen Film begründet werden.