„Silent Hill“ ist eine düstere, stimmungsvolle und vor allem gelungene Videospielverfilmung. Stark besetzt und sehr gut inszeniert.

Rezension und Einordnung

Seinerzeit kam mit „Silent Hill“ eine von vielen Videospielverfilmungen ins Kino. Dieser Sektor der Filmlandschaft hat nicht nur durch Uwe Boll einen schlechten Ruf. Zudem ist es schwierig, die Stimmung eines Spiels in einen Film zu transferieren. Bei der medialen Transformation vom Videospiel hin zum Film verschwindet das wichtige Element der Interaktion mit dem Medium. Diese wird durch eine ausschließliche Rezeption ersetzt. Im Fall von „Silent Hill“ ist es bereits spannend, wenn man beim Spielen zusieht. Die düstere Atmosphäre der verfluchten, verwahrlosten und scheinbar verlassenen Stadt, die man erstmals im gleichnamigen Videospielklassiker von 1999 besuchen konnte, liefert eine großartige Grundlage für einen schaurigen Film.

Das Besondere an der „Silent Hill“-Verfilmung

Regisseur des Films ist der Franzose Christophe Gans. In einem Satz liefert er eine wichtige Grundlage für die Rezeption von Horrorfilmen, der die Bedeutsamkeit von Atmosphäre und Stimmung für die Rezipienten über die Wahrnehmung einer weltlichen Bedeutung des Filmes stellt.

“It is important to consider that the horror movies should – like modern art – not have a too obvious meaning. When you watch them it is more important what you feel than what you understand.” (imdb 2012)

Im Fall von „Silent Hill“ ist es eben genau das, was man während der Rezeption des Filmes fühlt, was dieses Werk besonders macht. Die Wechsel von Tag und Nacht in Silent Hill wurden noch nie so opulent und realistisch wirkend inszeniert. Zudem sind Schauspieler*innen noch immer echter als animierte Figuren. Auch wenn die Grafik von Videospielen heutzutage beeindruckend gut ist, wirken die Emotionen der Charaktere noch nicht so, wie die eines echten Menschen. Dies ist einer der großen Pluspunkte des Films gegenüber den mittlerweile unzähligen Spielen der „Silent Hill“-Reihe.

Die Geschichte von „Silent Hill“ erinnert in einigen Passagen an das erste Spiel der Reihe von Konami. Der Film bietet dennoch eine recht eigenständige Handlung (eine komplette Liste der Unterschiede findet sich bei Silent Hill Wikipedia 2012). Da in Silent Hill auf jeden seine eigene Hölle wartet, lässt dies einiges an Handlungsvarianz zu. Eine Grundlage für einen nahezu unendlichen Fundus an Geschichten, die in der Stadt und dem Mythos Silent Hill angesiedelt werden können.

Die Geschichte von „Silent Hill“

Christopher Da Silva (Sean Bean) und seine Frau Rose (Radha Mitchel) haben ein kleines Mädchen aus einem Waisenhaus adoptiert. Die kleine Sharon (Jodelle Ferland) wird ständig von Albträumen geplagt und schlafwandelt oftmals. Wenn ihre Träume den Höhepunkt erreichen, ruft sie den Namen einer Stadt aus: Silent Hill. Bereits die einleitende Sequenz verdeutlicht all diese Elemente und baut dabei eine bedrückende Stimmung auf. Rose beschließt, Sharon nach Silent Hill zu bringen. Sie hofft dadurch das Träume ihrer Tochter überwinden oder ergründen zu können. Sie will zumindest versuchen herauszufinden, was dem Kind zugestoßen ist, bevor dies im Waisenhaus abgegeben wurde. Ohne Christopher von ihrem Plan zu erzählen, nimmt die besorgte Mutter ihre Adoptivtochter mit auf eine Reise, die deutlich schlimmer enden wird, als sie es jemals vermuten würde.

Endlich am Ortseingang angelangt, verliert Rose die Kontrolle über ihr Fahrzeug und nach einem Crash auch ihr Bewusstsein. Als sie erwacht, ist Sharon verschwunden und Rose befindet sich in Silent Hill, der Stadt, die ewig brennt und in der es Asche regnet. Orientierungslos sucht Rose nach Hinweisen in verrottenden Gebäuden, in denen schon lange kein Mensch mehr lebt. Die Dunkelheit im Nacken und unzählige dämonische Kreaturen vor der Brust bleibt ihr nichts als den Kampf ums Überleben anzunehmen.

Stimmung und Atmosphäre

Wer speziell die älteren Spiele der Serie kennt, weiß, dass „Silent Hill“ aus Rätseln besteht und dass es darum geht diese zu ergründen. Gelingt einem dies nicht, ist es unmöglich, den Ort jemals verlassen zu können. Bevölkert wird Silent Hill jedoch zum einen von den Umständen entsprechend psychopathischen Menschen und zum anderen von monströsen Kreaturen, die in jeder Ecke lauern können. Wenn die Dunkelheit kommt, erhebt sich auch das Böse in den Straßen von Silent Hill. Die verlassenen Gebäude liefern wenig Schutz für die verzweifelte Rose, die zunächst vollkommen verloren durch die geisterhafte Welt von Silent Hill irrt. Auf der Suche nach ihrer Tochter findet Rose Antworten auf Fragen, die sie nie gestellt hat.

„Silent Hill“ ist hochklassiges bildgewaltiges Spannungskino auf eine besondere Art. Der Film lebt von der Stimmung der Stadt und dem, was die Spiele den Fans zuvor bereits lieferten: einer dichten Atmosphäre. Die Charaktere benötigen nicht mehr Motivation und Hintergrund als den, den sie besitzen. Die Schauspieler liefern eine beachtliche Performanz. Speziell der Lieblingsgegner vieler Spieler „Pyramid Head“ hat im Film eine besondere Rolle und geht mit bekannter Härte zu Werke. Auch wenn der Film eine Freigabe ab 16 Jahren erhielt, gibt es einige ziemlich heftige Szenen. Wer jedoch auf viele Schockelemente wartet, wird hier nicht belohnt. Vielmehr sind diese als Akzente der Atmosphäre zu verstehen, ebenso wie es in den Spielen der Fall ist. Der Film lässt einem immer die Zeit sich auszumalen, was passieren könnte, in einer grotesk pervertierten Welt, in der Alles und Jeder zur Bedrohung werden kann.

Rezeptionshaltung und Kritikermeinungen

Zugegeben bin ich ein sehr großer Fan von Silent Hill und das schon seit etwa 1999. Erstmals sah ich diesen Film vor 20 Jahren. Selten hat mich ein Horrorfilm so gepackt wie dieser. Dabei ist „Silent Hill“ ein Film, der von Rezensenten rund um den Globus zerrissen wurde (Metacritic 2012). Ich konnte dies nie nachvollziehen und kann es auch heute nicht. Nach mehr als sechs Jahren folgte die Fortsetzung „Silent Hill: Revelation 3D“. Dabei handelt es sich um eine Fortsetzung im klassischen Sinn, also ein Film, der die Handlung des ersten Teils weitererzählt. Und ähnlich wie es bei den Spielen „Silent Hill“ und „Silent Hill 3“ der Fall ist, besteht auch hier ein Zusammenhang. Wer sich für den zweiten „Silent Hill“-Film interessiert, sollte zuvor unbedingt den ersten Teil ansehen. Zudem sollte man sich nicht von den überaus schlechten Kritiken abschrecken lassen. Oftmals sehen Zuschauer Filme anders als Rezensenten, was ebenfalls aus den Bewertungen bei Metacritic hervorgeht (Metacritic 2012). Anfang 2026 wurde mit „Return to Silent Hill“ ein dritter Teil der Filmreihe veröffentlicht, der sich sehr lose an der Geschichte des Videospiels „Silent Hill 2“ orientiert. Das Werk fiel bei Kritiker*innen und Fans gleichermaßen durch. Das Werk setzt verstärkt auf Effekte und weniger auf Narration. Es verwundert daher wenig, dass der Film an den Kinokassen ein Misserfolg wurde (Metacritic 2026).

Fazit

„Silent Hill“ ist ein besonderer und wertvoller Horrorfilm, der einen auf eine Reise durch die tiefsten Abgründe der Seele und des Bösen einlädt. In schaurigen und stimmungsvollen Bildern ist ein Ort dargestellt, der nicht existiert und dennoch auf jeden von uns warten könnte. „Silent Hill“ lässt sich auf so vielen Wegen ausdeuten, wie es Rezipienten gibt. Allein daher lohnt es sich, diesen Film anzusehen. (th)

Trailer „Silent Hill“

 

Quellen

imdb (2012) Biography for Christophe Gans

Metacritic (2012) Metacritc zur Verfilmung von „Silent Hill“

Metacritic (2026) Metacritc zur Verfilmung von „Return to Silent Hill”

Silent Hill Wikipedia (2012) Silent Hill“ der Film bei Wikipedia

 

Filminformationen

„Silent Hill“

Regie: Christophe Gans

Drehbuch: Roger Avery

Produktion: TriStar Pictures, Silent Hill DCP Inc, Davis-Films, Konami, Focus Features

Verleih: Concorde Home Entertainment

Laufzeit: 121 Minuten (uncut)

Kanada, Frankreich, Japan und USA | 2006

Veröffentlichung: Der Film ist auf DVD, Blu-ray-Disc und als Video-on-Demand im Handel erhältlich.

Bildrechte: Sony Pictures & Konami 2006

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