Titelbild: Schwieriges Aufwachsen im gutbürgerlichen Schweden für „Fanny und Alexander“ (1982) von Ingmar Bergman, © Swedish Film Institute
Lübeck, 29. September 2026. Anlässlich des 125. Jubiläums der „Buddenbrooks“ folgt die diesjährige Retrospektive den Spuren des bedeutenden Gesellschaftsromans: von den skandinavischen Werken, die Thomas Mann als Vorbilder dienten, über eine frühe Verfilmung bis hin zu den großen Familiensagas des nordischen Kinos.
Kaum ein anderes Buch ist so eng mit Lübeck verbunden wie die „Buddenbrooks“. Schauplatz des mehrfach verfilmten Werks ist Thomas Manns Heimatstadt Lübeck. Zum 125. Jubiläum des Erscheinens steht jetzt Manns Debütroman über eine Lübecker Kaufmannsfamilie, für den der Schriftsteller 1929 den Nobelpreis für Literatur erhielt, im Zentrum der Sektion Retrospektive der 68. Nordische Filmtage Lübeck.
Vom 4. bis 8. November werden insgesamt elf bedeutende Filme aus verschiedenen Jahrzehnten gezeigt, die einen Querschnitt durch Familiengeschichten bekannter nordischer Regisseur:innen präsentieren. Die Retrospektive rückt zum einen Manns literarische Vorbilder aus Skandinavien und deren filmische Adaptionen im nordischen Kino in den Fokus, zum anderen generationenübergreifende Familiensagas, die Manns Erzählstruktur filmisch fortschreiben. Dazu kooperieren die Nordischen Filmtage Lübeck in diesem Festivaljahr erneut mit den Lübecker Museen. Das Buddenbrookhaus flankiert das Filmprogramm mit der Ausstellung „Family Affairs“, die am 30. Oktober 2026 im St. Annen-Museum eröffnet wird. Mit einem Kinoticket der Nordischen Filmtage erhalten Besucher:innen den ganzen November 20 Prozent Ermäßigung auf das Tagesticket der Lübecker Museen.
Jörg Schöning, Kurator der Retrospektive der Nordischen Filmtage Lübeck: „Thomas Mann hat Motive nordischer Vorbilder in sein Epos über eine Kaufmannsfamilie einfließen lassen. Insofern bilden die Filme der Retrospektive ein Kaleidoskop nordischer Familiengeschichten und zeigen zugleich viele Parallelen zu den ‚Buddenbrooks‘. Diese scheinbar privaten Familienangelegenheiten sind vor allem deshalb interessant, weil sie auch immer Gesellschaften und ihre Konflikte widerspiegeln.“
Den unmittelbarsten Bezug zu Lübeck stellt „Buddenbrooks“ (1923) von Gerhard Lamprecht her. Die erste Verfilmung des Romans übertrug Thomas Manns Geschichte in die damalige Gegenwart. Der Film wird in Kooperation mit der Musikhochschule Lübeck gezeigt: Dort wird die farbig restaurierte Fassung mit Live-Musik von Studierenden unter Leitung von Prof. Franz Danksagmüller zu erleben sein.
Wie stark Thomas Mann selbst von der Literatur Skandinaviens geprägt war, zeigen mehrere Verfilmungen seiner literarischen Vorbilder. „Die Wildente“ (1963, OT: Vildanden) von Tancred Ibsen basiert auf dem Drama Henrik Ibsens, den Thomas Mann seinen „Meister“ nannte. Die Adaption durch den Enkel des berühmten Dramatikers gilt bis heute als Musterbeispiel für eine werkgetreue Verfilmung.
Auch Bjørnstjerne Bjørnsons „Ein Bankrott“ (1979, OT: En fallit) hinterließ deutliche Spuren in den „Buddenbrooks“: Thomas Mann griff Motive des Dramas für den Bankrott des Buddenbrook-Schwiegersohns Grünlich auf. Fortuna (1993) wiederum basiert auf Alexander L. Kiellands Roman „Gift“, dessen Kritik an autoritärer Erziehung Thomas Mann für das Schulkapitel der „Buddenbrooks“ inspirierte. Die Vorführung wird von einem Vortrag über Thomas Mann als „Schulversager“ und einer Lesung des Lübecker Schauspielers Heiner Kock aus dem Roman begleitet.
„Victoria“ (2013) von Torun Lian verarbeitet Knut Hamsuns gleichnamige Erzählung. Die unglückliche Titelheldin der tragischen Liebesgeschichte diente Thomas Mann als eines der Vorbilder für Tony Buddenbrook.
Von den literarischen Vorbildern führt das Programm zu großen generationenübergreifenden Familiensagas des nordischen Kinos. Die Schande der Orlygssons (1920, OT: Borgslægtens Historie) erzählt von einem Bruderzwist, dessen Folgen drei Generationen prägen. Der 1919 in Island gedrehte Spielfim nach Gunnar Gunnarssons Romanserie markiert zugleich den Beginn des Filmemachens in Island und wird mit neuer Filmmusik von Þórður Magnússon, ausgeführt von der SinfoniaNord, gezeigt.
Mit „Fanny und Alexander“ (1982, OT: Fanny och Alexander) ist einer der großen Klassiker des europäischen Kinos vertreten. Ingmar Bergman entwirft darin ein opulentes, autobiografisch geprägtes Familienpanorama. Zugleich ist sein Werk eng mit den Nordischen Filmtagen verbunden: Bereits bei der ersten Festivalausgabe 1956 waren drei seiner Filme im Programm.
Fast programmatisch für „Buddenbrooks p:reloaded“ wirkt „Familien Gregersen“ (2005): Die als „dänische Buddenbrooks“ bezeichnete Bestseller-Verfilmung erzählt vom Niedergang einer wohlhabenden Industriellenfamilie vor dem Panorama der dänischen Zeitgeschichte von Mitte der 1950er- bis Mitte der 1970er-Jahre.
Dass finanzielle Nöte und bedrohte Familienehre auch als Komödie funktionieren, zeigt „Swedenhielms“ (1935) von Gustaf Molander. Zu sehen ist darin die junge Ingrid Bergman in einer ihrer frühen Rollen, noch vor ihrer internationalen Karriere.
Zwei Filme mit demselben Originaltitel schlagen schließlich eine Brücke von Familienvermögen und Erbschaft zu der Frage, welchen Preis familiäre Verpflichtungen haben können. In „Die Erbschaft“ (1979, OT: Arven) von Anja Breien wird der letzte Wille eines Reeders zur Zerreißprobe für seine Familie. Die ebenso subtile wie humorvolle Satire auf familiäre Gier wurde 1979 in Cannes mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet.
Per Flys „Das Erbe“ (2003, OT: Arven) führt das Thema ins moderne Wirtschaftsleben. Wie Thomas Buddenbrook gerät auch hier der Erbe eines Familienunternehmens zwischen persönliche Wünsche, familiäre Erwartungen und geschäftliche Pflichten – mit zerstörerischen Folgen. Der Film gehört zu Per Flys Gesellschaftstrilogie, mit der der dänische Regisseur mehrere Preise der Nordischen Filmtage Lübeck gewann. PM_NFL_Retrospektive_Buddenbroo…
Die 68. Nordischen Filmtage Lübeck finden vom 4. bis 8. November 2026 statt.
(Nach einer Pressemeldung der Nordischen Filmtage Lübeck)
Pressekontakt: Hansestadt Lübeck – Nordische Filmtage Lübeck, presse@nordische-filmtage.de

