In loser Folge veröffentlicht infomedia.sh Drehberichte von Studierenden des Studienganges Multimedia Production der HAW Kiel. Die Filme sind im Rahmen des Moduls „Audio- und Videoproduktion 2“ entstanden (Dozenten: Tobias Hochscherf, Gunnar Eisenberg, Christian Mertens und Eike Endrikat). Es handelt sich meist um die ersten, fiktionalen Filme, die die Studierenden jemals gedreht haben. Echte Erstlingswerke also. Der 2. Beitrag:
Drehbericht „5:23“
Von Jette Gravert, Melody Keller, Merten Medrikat, Selina Kowski, Karlotta Fischer, Garvin Bahlo
Im Rahmen des AV2- Kurses an der HAW-Kiel entstand unser Kurzfilm „5:23″, ein Drama über einen Vater, der versucht, mit dem Tod seines Kindes umzugehen. Der Film konzentriert sich auf die Verarbeitung von schwerer Trauer und Verlust. Das Projekt wurde von den Studierenden Jette Gravert (Regie), Melody Keller (Kamera), Merten Medrikat (Aufnahmeleitung), Selina Kowski (Ton, Set Design), Karlotta Fischer (Licht, Set Design), Garvin Bahlo (Kamera-Assistenz) realisiert. Außerdem geholfen haben uns: Marieke Hill (Set-Runner, Maske), Martin Platte (Regieassistenz, Musik), Hannes Gorrissen (Technische Unterstützung) und Carla Gericke (Catering). Als Darsteller:innen haben wir Harry Tobinski-Ahrens (als Björn Hansen), Susanne Schneider (als Nina Hansen) und Malin Rademacher (als Emma Hansen) für uns gewinnen können.
Bei der Vorproduktion musste das Drehbuch und Storyboard entwickelt, die Location gesucht und sich um die Technik, Organisation, Schauspieler, Zeitplanung, Fahrpläne und Catering gekümmert werden. Die Aufgaben haben wir aufgeteilt.
Kurz vor den Dreharbeiten hat uns unser Hauptdarsteller für Björn abgesagt, weshalb wir kurzfristig einen Ersatz suchen mussten. Im Endeffekt haben wir mit Harry einen würdigen Ersatz gefunden und sind ihm sehr dankbar für seine Flexibilität und Spontanität.
Der erste Tag der Dreharbeiten begann am Donnerstagmorgen, den 29.01.2026. Wir verluden zunächst sämtliche Ausstattung und Technik in Kiel. Anschließend fuhren wir über unsere Übernachtungsmöglichkeit in Eggstedt zum Set , welches sich in der Nähe von Büsum befand. Wir bereiteten die Technik und das Set vor und kauften für die Verpflegung ein. Da wir in einem Ferienhaus drehten, mussten wir besonders das Kinderzimmer von Grund auf einrichten. Diese Planung – mit einem Vorbereitungstag – schien uns sinnvoll, damit wir am nächsten Tag schneller starten konnten. Der Tag endete um 21 Uhr.
Am Freitag, den 30.01.2026 begann der Drehtag um 9:15 Uhr mit dem weiteren Aufbau des Schlafzimmers. Anschließend fanden die ersten Technikproben ohne die Schauspielenden statt. In den Proben merkte man bereits, wie stark Lichtsetzung und Kameraposition die Wirkung des Bildes beeinflussen. Wir machten Aufnahmen vom Altar für Emma und dem Haus von außen. Mehrere Umbauten und Proben waren nötig, um das gewünschte Bild zu erzeugen. Nach einer Mittagspause traf am Abend Harry Tobinski-Ahrens ein, mit dem die ersten Szenen gedreht wurden. Wir drehten die Szenen 4 und 9, in denen Björn Emmas Kuscheltier zu Bett bringt und den Brief für Emma schreibt. Während der Dreharbeiten bemerkten wir schnell, dass Proben und Vorbereitung wesentlich länger dauern als gedacht. So überarbeiteten wir für Samstag und Sonntag die Disposition nochmal grundlegend. Es gab immer wieder kleinere technische Probleme, etwa bei der Lichtsetzung oder dem Schärfe Ziehen, die zu zusätzlichen Takes führten. Um 22 Uhr endete der Drehtag.
Weiter ging es am Samstag, den 31.01.2026 um 9:30 Uhr. Zunächst drehten wir Szene 8.2 mit Susanne und Harry. Währenddessen war unsere Kinderdarstellerin Malin Rademacher am Set angekommen und ihre Maske wurde gemacht. Dann konnten wir die Szene mit Emma im Kinderzimmer drehen. Nach einer Mittagspause wurde in das Elternschlafzimmer umgebaut und wir drehten mit allen drei Schauspielenden Szene 6.
Anschließend wurde die Küche als Drehort vorbereitet. Die Szene wurde geprobt und gedreht, viele verschiedene Einstellungsgrößen und Detailaufnahmen wurden ausprobiert. Wir drehten z.T. Aufnahmen durchs Küchenfenster, um das richtige Bild zu finden. Einige dieser Detailaufnahmen wurden später im Schnitt nicht verwendet, was zeigte, dass der hohe Anspruch an visuelle Perfektion sehr viel Zeit in Anspruch nahm, obwohl es nicht immer notwendig war. Diese Erfahrung zeigte die Notwendigkeit der Prioritätensetzung zwischen visueller Perfektion und Relevanz. Der Drehtag endete um 21 Uhr.
Am Sonntag, den 01.02.2026 begann der Drehtag bereits sehr früh morgens um 6:30 Uhr, da wir die Außenszenen während der Blue Hour drehen wollten. Die frühen Arbeiten erzeugten zusätzlichen Zeitdruck, da das Morgenlicht nur für einen bestimmten Zeitraum verfügbar war. Dementsprechend nahmen wir weniger Takes auf. Eine weitere Herausforderung war das Feuer, das wir für unsere Szene brauchten. Es dauerte, bis es entzündet war, und musste am Leben gehalten werden. Trotz des Zeitdrucks entstand eine atmosphärische Szene, die für das Ende des Films wichtig ist.
Nach einer Frühstückspause wurden die verbleibenden Szenen im Schlafzimmer gedreht. Eine aufwändige Vorbereitung einer ausgehenden Kerze hat es am Ende leider nicht in den Film geschafft. Das zeigte, dass sich nicht jede Arbeit auszahlte und man sich manches hätte ersparen können. Der Drehtag endete um 15 Uhr.
Nach Drehschluss wurde die Location in den ursprünglichen Zustand zurückgebaut und gereinigt. Am Abend fuhren wir zurück nach Kiel und brachten die Technik zur HAW zurück. Die Zusammenarbeit im Team funktionierte insgesamt gut und kooperativ. Trotz des Zeitdrucks und individueller Schwierigkeiten konnten wir den Dreh erfolgreich abschließen.
Der Dreh von „5:23“ hat uns deutlich gezeigt, wie wichtig realistische Zeitplanung, klare Kommunikation und eine strukturierte Aufgabenverteilung innerhalb des Teams sind. Besonders der kurzfristige Ausfall unseres ursprünglich geplanten Hauptdarstellers stellte uns vor eine unerwartete Herausforderung.
Während der Dreharbeiten wurde klar, dass technische Präzision ihre Zeit in Anspruch nimmt und immer etwas mehr Puffer eingebaut werden sollte.
Auch der Dreh am Wintermorgen machte klar, wie stark äußere Faktoren den Dreh beeinflussen können.
Für zukünftige Projekte würden wir die Drehplanung noch präziser und besser vorbereiten, mehr Puffer einplanen und uns überlegen, welche Einstellungen wirklich wichtig sind. Insgesamt war „5:23“ eine lehrreiche und praxisnahe Erfahrung, wodurch wir uns weiterentwickeln konnten.
(nach einem Drehbericht des Film-Teams, redaktionell leicht bearbeitet)

