Fotografische Notizen zwischen hier und anderswo von Bernd-Günther Nahm

Vom 14.8. (Vernissage) bis zum 30.8.2026 zeigt Bernd-Günther Nahm (ehemaliger Leiter der Filmwerkstatt Kiel) in einer Ausstellung im Rudolf-Behrend-Haus in Neuheikendorf „Fotografische Notizen zwischen hier und anderswo“. Die Fotos, die Nahm als als eine Art „visuelle Tagebuchseiten“ begreift, entstanden während seiner zahlreichen Reisen in mehreren Kontinenten.

Eröffnung: Freitag, 14.8.2026, 18 Uhr
Ausstellung vom 15. bis 30.8.2026, Samstag + Sonntag 11 bis 18 Uhr
Rudolf-Behrend-Haus Neuheikendorf (Neuheikendorfer Weg 136, 24226 Heikendorf)
(KVG Buslinie 14 von Kiel Hbf, Haltestelle: Heikendorf, Silberturmer Weg)

Bernd-Günther Nahm: „Zwischen vertrauten und fremden Umgebungen entstehen Beobachtungen, Begegnungen und kleine visuelle Tagebuchseiten. Die Fotografien erzählen nicht von spektakulären Zielen, sondern vom Unterwegssein selbst: vom Blick auf Orte, Situationen und Momente – hier und anderswo.“

Mit freundlicher Unterstützung durch den Förderverein Behrend-Haus e.V. und die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein.

Die Reise zu den Bildern

Fotografie bedeutet für mich Teilhabe. Mit der Kamera werde ich weniger zum Beobachter als zum Teilnehmer einer Situation. Sie öffnet Türen zu Begegnungen und Momenten, die mir ohne sie vielleicht verschlossen geblieben wären. Nicht das fertige Bild an der Wand ist für mich das eigentliche Ziel, sondern der gemeinsame Augenblick, aus dem es entsteht.

Mich interessieren keine Sensationen. Es sind die alltäglichen Situationen, die mich anziehen: Menschen bei ihrer Arbeit, Begegnungen, Übergänge und Orte im Wandel. Die Kamera ist für mich nicht nur ein Werkzeug des Festhaltens, sondern ein Werkzeug der Begegnung.

Ich bin viel gereist, manchmal auch bewusst ohne Kamera. Die Auswahl der hier gezeigten Arbeiten ist deshalb kein Überblick über meine Reisen. Sie versammelt vier Regionen, die heute meist nur im Zusammenhang mit politischen Konflikten oder Krisen wahrgenommen werden. Meine Fotografien erzählen von etwas anderem: vom Alltag der Menschen, denen ich dort begegnet bin. Sie verstehen sich als fotografische Notizen – als Zeichen des Respekts für Menschen und Lebenswelten, die sich nicht auf Schlagzeilen reduzieren lassen.

Grönland / Kalaallit Nunaat – Distrikt Qaanaaq – Savissivik und Siorapaluk, Sommer 1973

Im Sommer 1973 reiste ich als Passagier auf dem Frachtschiff „Anna Johanne“ des Königlich Grönländischen Handels entlang der Westküste Grönlands. Ursprünglich galt mein Ticket bis Kangerlussuaq (damals Søndre Strømfjord). Da das Schiff wegen der Eisverhältnisse weiter nach Norden fuhr, konnte ich als Deckshelfer an Bord bleiben und bis nach Siorapaluk reisen – dem nördlichsten indigenen Dorf der Welt.
Während des Entladens – das Schiff lag auf Reede, Beiboote brachten die Ladung an Land – arbeitete ich zusammen mit den Bewohnern von Savissivik und Siorapaluk. Verständigung geschah oft ohne gemeinsame Sprache – durch Gesten, Blicke und die verbindende Arbeit.

Die Fotografien entstanden nicht als Reportage, sondern während des gemeinsamen Arbeitens und Zusammenlebens. Sie bewahren den Blick auf den Alltag der Inughuit in einer der entlegensten bewohnten Regionen der Erde.

Nordjemen – Jemenitische Arabische Republik – Dschabal Haraz, Frühjahr 1981

Die Fotografien entstanden im Dschabal Haraz, einer Hochgebirgsregion westlich von Sanaa. Seit Jahrhunderten prägten Terrassenfelder und der Anbau des Harazi-Kaffees diese Landschaft.
Als diese Fotografien entstanden, zeichnete sich das Ende der traditionellen Terrassenwirtschaft bereits ab. Viele junge Männer arbeiteten in den Golfstaaten; mit ihnen verschwanden die Arbeitskräfte für die arbeitsintensive Landwirtschaft. An die Stelle des Kaffees trat zunehmend der Anbau von Qat, einer leicht berauschenden Kaudroge.
Die Aufnahmen blicken auf den Alltag dieser Kulturlandschaft im Übergang.

Kamerun – République du Cameroun – Yaoundé und Zentralregion, 1982-1984

Diese Fotografien entstanden zwischen 1982 und 1984 während meiner Arbeit in Kamerun. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit war ich für eine kamerunische Organisation tätig, die den Aufbau von Kakao-Genossenschaften und die Erwachsenenbildung auf dem Land unterstützte.
Gemeinsam mit meinen kamerunischen Kollegen reiste ich durch die Dörfer der Zentralregion. Unsere Arbeit führte uns zu Kakao-Bauern und ihren Familien. Die Fotografien entstanden dabei nicht als Projektdokumentation, sondern aus dem Wunsch, den Menschen und ihrem Alltag mit der Kamera zu begegnen.
Die mehrjährige Zusammenarbeit ermöglichte Begegnungen, die über flüchtige Besuche hinausgingen. Aus den wiederholten Fahrten zu den Dörfern wuchs Vertrauen – oft vermittelt durch meine Kollegen, oft auch ohne viele Worte.
Die Fotografien zeigen Menschen bei ihrer Arbeit und in ihrem Alltag. Zugleich bewahren sie Erinnerungen an eine vergangene Zeit des ländlichen Kamerun, gesehen aus der Perspektive eines Gastes, der für einige Jahre am Leben seiner Kollegen und ihrer Dorfgemeinschaften teilhaben durfte.

Nordkorea – Demokratische Volksrepublik Korea – Pjöngjang, Herbst 2014

Die Fotografien wurden während eines kurzen Aufenthalts in Pjöngjang anlässlich einer Einladung zum 14. Pyongyang International Film Festival aufgenommen. Bewegungen außerhalb des offiziellen Programms waren nicht möglich; alle Unternehmungen wurden von staatlichen „Betreuern” begleitet. Begegnungen mit dem Alltag der Bevölkerung blieben daher weitgehend ausgeschlossen.
Die Aufnahmen entstanden überwiegend im Pyongyang Folklore Park, einem Themenpark mit historischen Nachbauten und Miniaturen bedeutender Bauwerke des Landes. Der Park wurde 2012 eröffnet und bereits 2016 wieder geschlossen.
Die Fotografien zeigen Menschen und Orte, wie sie ausländischen Gästen präsentiert wurden. Gerade diese Inszenierung macht sie heute zu Dokumenten eines Landes, dessen öffentliches Erscheinungsbild sorgfältig gestaltet war. (Bernd-Günther Nahm)

Links:

Titelbild: Grönland: Sohn und Vater, Siorapaluk, Sommer 1973 (Foto: Bernd-Günther Nahm)
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