Drehbuchpreis SH 2025 und Kurt-Denzer-Stipendium für Dokumentarfilm vergeben
Im Kieler Studio Filmtheater wurde am 29. November 2025 der Drehbuchpreis SH 2025 (eine Veranstaltung von Filmkultur Schleswig-Holstein e.V.) verliehen. Im Rahmen einer szenischen Lesung stellten bekannte Sprecher*innen wie z.B. Liza Ohm oder die Schauspieler Werner Klockow und Tomte Heer (Theater Kiel) die drei Finalisten vor, die von einer Vorjury aus 33 eingereichten Kurzfilm-Drehbüchern ausgewählt worden waren.
Ausgezeichnet mit dem Drehbuchpreis Schleswig-Holstein wurde Jakob Daniel (Student MMP an der HAW Kiel) für sein Drehbuch WEIDEHALTUNG, eine Geschichte über einen Mann, der sich auf einer Kuhweide eine ganz besondere Auszeit nimmt.
In der Begründung der Jury, bestehend aus Inken Witt (Drehbuch- und Romanautorin), Anna-Elisabeth Frick (Oberspielleiterin Schauspiel Kiel) und Jess Hansen (Filmemacher, Autor), heißt es: „Als Jury hat uns die Arbeit ‚Weidehaltung‘ begeistert. Wir waren lange und nachhaltig mit der Deutung beschäftigt und das hat uns überzeugt. ‚Weidehaltung‘ besticht durch die Einfachheit und Klarheit in den Dialogen und dahinter verbirgt sich eine komplexe Zeichenhaftigkeit, über die wir als Jury lebhaft diskutiert haben. Das Drehbuch erweckt Bilder, die man so schnell nicht vergisst. Jakob Daniel hat eine simple Idee in großer Ernsthaftigkeit verfolgt, die beeindruckend ist und an Bartlebys ,I would prefer not to’ oder Arbeiten von Detlef Buck denken lassen. Wir freuen uns sehr diese besondere Arbeit auszuzeichnen!“

Drehbuchpreis SH 2025 – Horst Hoof (Moderator), Jakob Daniel (Preisträger), Inken Witt (Jury), Anna-Elisabeth Frick (Jury), Jess Hansen (Jury), Christian Mertens (Leiter DPSH) (v.l.)
Drehbuchpreis SH-Leiter Christian Mertens, der den Abend gemeinsam mit Autorin Zara Zerbe und Horst Hoof (NDR) moderierte, freute sich über den besonders norddeutschen Stil des diesjährigen Preisträgers: „Das Drehbuch ‚Weidehaltung‘ ist zwar durch die Sprache, Gestus und Landschaft in Norddeutschland verortet, aber das Gedankenspiel, einmal radikal aus seinem Alltag herauszutreten, ist universell menschlich.“
Dieser Meinung waren auch die meisten Zuschauer*innen bei ihrem Voting. So ging der Publikumspreis 2025 ebenfalls an das Drehbuch WEIDEHALTUNG.
Ebenfalls im Finale standen: KI-NDERSCHUHE von Niklas Kielmann (Filmemacher, Regisseur und Drehbuchautor aus SH) über Parallelen in der Entwicklung von kindlicher und künstlicher Intelligenz. Und FINGER AB! von Brandon Tress Masforroll (Student Englisch/Spanisch auf Lehramt aus SH) über zwei chaotische Teenager auf ihrem hindernisreichen Weg zur perfekten Party.
Kurt-Denzer-Stipendium für Dokumentarfilm
Außerdem wurde erstmals das Kurt-Denzer-Stipendium für Dokumentarfilm vergeben. 5.000 Euro und ein Coaching für die Entwicklung von IN WOLKENSCHLEIFEN, eines dokumentarischen Kurzfilms für Kinder und über Kinder mit Zwangsstörung.
Das Stipendium erhält die Kieler Filmemacherin Pola Rader. In der Begründung der Jurymitglieder Claudia Richarz (Regisseurin und Kamerafrau), Lilli Thalgott (Kamerafrau und Produzentin) und Christian Mertens (Regisseur und HAW Kiel Dozent) heißt es:
„Das Ziel ist, die innere und äußere Welt der Protagonist*innen auf dokumentarische und poetische Art erlebbar zu machen. Wir Zuschauer*innen lernen den Alltag der Kinder kennen, so wie sie ihn erleben. Gleichzeitig bieten poetische Bildsprache und Collagen die Möglichkeit, die Kinder nicht zu stark einer dokumentarischen Kamera auszusetzen. Dabei hat sie in ihrer Bewerbung zum Stipendium dargestellt, wie eine visuelle Umsetzung passieren kann – Pola hat bereits damit begonnen, Geschichten und Bilder in einem Bilderbuch zu sammeln. Das zeigt ihre tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Thema Zwangsstörung bei Kindern, bei der wissenschaftliche Erkenntnisse die Grundlage sind, um von dort aus das Persönliche poetisch sichtbar zu machen. Polas Ziel, einen neuen Umgang mit den betroffenen Kindern zu entwickeln, halten wir für ein mutiges und schwieriges Unterfangen. Deshalb möchten wir sie in ihrer Recherche unterstützen, denn ein so komplexes Thema erfordert eine ausführliche und sensible Vorbereitung. Sie kann mit ihrem Projekt ein Tor zu einer verborgenen Welt öffnen und diesen Mut wollen wir unterstützen.”
Darüberhinaus wurde in diesem Jahr einmalig ein weiteres Stipendium ausgelobt. Auch die Filmemacherin, Produzentin und Künstlerin Ann Carolin Renninger kann sich über 5.000 Euro für ihr Dokumentionsprojekt ZWISCHENREICH/TANG über die Welt der Meeresalgen freuen. Die Begründung der Jury lautet:
„Ann Carolin Renninger steigt in ein sehr aktuelles Thema ein: die Algen, der Tang. Gewächse, die keiner Art in der Biologie zugeordnet werden können – sie befinden sich für uns Menschen im ,Zwischenreich’. Gleichzeitig verortet sie sich in der ebenfalls aktuellen Debatte um die Intelligenz von Pflanzen und ihrer Beziehung zum Menschen. Sie möchte sich den Algen nur wenig naturwissenschaftlich, sondern vielmehr künstlerisch und philosophisch nähern. Ihre ersten Recherchen führten sie zu Algenforscher*innen und Künstler*innen in London, Norwegen, Finnland und Helgoland. Wir spüren ihr tiefes Interesse und schätzen ihren künstlerischen Ansatz. Das Thema ist so weitläufig, dass unser Stipendium ihr die Chance bietet, umfassend zu recherchieren und ein klares Konzept für einen Film zu erarbeiten. In welche Richtungen sich das Filmprojekt auch entwickeln wird, klar ist schon jetzt: Ann Carolin wird dafür eine Formsprache finden, die nur von ihr kommen kann. Niemand anderes wird diesen Film so gestalten wie sie – das zu spüren, hat uns als Jury begeistert.“

Kurt-Denzer-Stipendium für Dokumentarfilm – Julia Gläsker (DPSH), Stephanie Denzer-Fürst (Stifterin), Claudia Richarz (Jury), Pola Rader (Stipendiatin), Ann Carolin Renninger (Stipendiatin), Lilli Thalgott (Jury), Christian Mertens (Jury) (v.l.)
Das Stipendium wurde zu Ehren von Regisseur und Dokumentarfilmer Dr. Kurt Denzer (1939-2021) ins Leben gerufen, eine der prägenden Persönlichkeiten des schleswig-holsteinischen Filmgeschehens. „Er sagte immer: Die Grundlage des dokumentarischen Arbeitens ist immer die intensive Recherche. Da kann man auch mal der falschen Fährte folgen – aber das ist egal – wenn du was zu erzählen hast, dann musst du dranbleiben! Dem wollen wir durch dieses Stipendium gerecht werden”, erläutert Leiter Christian Mertens.
Weitere Informationen unter www.drehbuchpreis-sh.de.
(nach einer Pressemitteilung des DPSH)