15. bis 19. September 2021

Die dokumentarfilmwoche hamburg findet in diesem Jahr vom 15. bis 19. September statt. Unter erschwerten Planungsbedingungen konnte das Festivalteam dennoch ein kleines, aber feines Programm von 27 Veranstaltungen kuratieren. Die ganze Bandbreite des anspruchsvollen Dokumentarfilms wird darin deutlich und reicht von international prämierten Produktionen bis hin zu Hamburger Debutfilmen. Besonders ist, dass trotz Pandemiebedingungen zu fast jedem Film die Macher*innen zum Austausch erwartet werden.

DIE ERÖFFNUNG – LIEBESBRIEF AN DAS KINO

Die dokumentarfilmwoche hat sich vorgenommen, für die Rückkehr in die Kinos ein Zeichen zu setzen. Der Eröffnungstag startet daher getreu dem Motto „Acht Stunden sind kein Kino-Tag“ mit dem Acht-Stunden-Film „The Works and Days“ von C. W. Winter und Anders Edström, die beide als Gäste für ein Gespräch vor Ort im Metropolis Kino sein werden. Der Gewinner „Best Film Encounters“ der 70. Berlinale ist ein kinematografisches Ereignis und Liebesbrief an das Kino und an die Zeit, die man dort verbringt. Der Film wurde in einem Zeitraum von 14 Monaten in einem kleinen Bergdorf in Japan gedreht und beschreibt die Jahreszeiten in der Landwirtschaft, Saat, Pflege und Ernte im Kreislauf menschlichen Daseins. (Metropolis 15.09. um 10.00 Uhr)

Im Anschluss findet die Eröffnung am Abend mit einem weiteren Film ihre Fortsetzung. „Please Hold the Line“ setzt all den Technikern ein Denkmal, die täglich dafür sorgen, dass die Welt miteinander Verbindung bleibt und Streaming und Fernseher laufen. Der Filmemacher Pawel Cuzuioc ist ebenfalls zu Gast. (Metropolis 15.09. um 20.30 Uhr)

WOHIN GEHT DIE REISE?

Auch inhaltlich bietet das Programm ein breites Spektrum an Themen, die einen mitnehmen auf die Reise zu bisher unbekannten Menschen, Orten und Ereignissen: „Herr Bachmann und seine Klasse“ macht deutlich, warum Online-Unterrichte keine Lösung sein kann und was es braucht, um Schule gelingen zu lassen (Metropolis 16.09. 19.00 Uhr, Zu Gast Maria Speth).

Her Name was Europa” zeigt das Vorhaben, eine ausgestorbene Tierart wieder zum Leben zu erwecken, (Lichtmeß 18.09. 21.00 Uh, Gäste sind Anja Dornieden und Juan David González Monroy) während in „Taming the Garden“ ein georgischer Milliardär Jahrhunderte alte Bäume entwurzeln und über das Meer transportieren lässt, um seinen eigenen Garten Eden zu erschaffen (Metropolis, 17.09. 21.00 Uhr). Ziyara” ist eine Pilgerfahrt als Roadmovie zu den verlassenen heiligen jüdischen Stätten Marokkos (Metropolis, 17.09. 15.00 Uhr, zu Gast Simone Bitton).

Auch wenn „A River Runs, Turns, Erases, Replaces“ kein Film über Corona ist, so streift er als einziger Film des Festivals das Thema emotional. Shengze Zhu hat in ihrer Heimatstadt Wuhan die Veränderungen der Stadt am Fluss festgehalten und mit Briefen von Angehörigen an ihre verstorbenen Partner und Verwandte verbunden (Metropolis DO 16.09. 14 Uhr, Live-Videogespräch mit Shengze Zhu).

Der Abschlussfilm Nemesis” zeigt die Zerstörung des einzigartigen Bahnhofs in Zürich und dem Neubau eines Gefängnis- und Polizeizentrums aus der Perspektive des Fensters des Filmemachers und dokumentiert, wie mit der Auslöschung von Geschichte und ihrem Ersatz durch Sicherheit umgegangen wird (Metropolis, 19.09. 20.30 Uhr).

HAMBURG DOCKT AN

Die Bindung zu Hamburgs Dokumentarfilmszene ist seit jeher ein Anliegen des Festivals und wird auch von der Hamburgischen Kulturstiftung gefördert. Unter dem Label „Dokland Hamburg“ werden in diesem Jahr acht formal und inhaltlich unterschiedliche Arbeiten präsentiert: „Geboren in Ravensbrück“ (B-Movie 19.09. 13.00 Uhr) begleitet eine im KZ Ravensbrück geborenen Frau bei ihrer Suche auf den Spuren der eigenen Geschichte. Auch der Hamburger Filmemacher Zacharias Zitouni will Näheres über die Geschichte seines Vaters erfahren, der heute als Koch für diejenigen arbeitet, die ihn viele Jahre zuvor nach Algerien abgeschoben hatten. (Metropolis, 18.09.14 Uhr). Die HFBK Absolventin Kristina Savutsina gewährt tiefe Einblicke in die belarussische Gesellschaft mit ihrem Film „Khans Leib“ (Metropolis, 16.09.16.30 Uhr). Alle Filmemacher*innen sind zu Gast.

STOP FILMING US

Mit den beiden Filmen „Heimreise“ und „Stopp Filming us“ sowie einer begleitenden Diskussionsveranstaltung setzt sich die dokumentarfilmwoche mit postkolonialem Kino und der Beteiligung weiße Filmemacher*innen darin auseinander. Erwartet werden neben Gästen aus Hamburg, Regisseure aus den Niederlanden und Burkina Faso. (Metropolis 19.09. 10.00 Uhr, 12.45. Uhr und 15.00 Uhr)

LESUNG FILMPROGRAMM UND AUSSTELLUNG ZU HUILLET UND STRAUB

Die Filme von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub sind Schlüsselwerke des zeitgenössischen Kinos, die ein leidenschaftlich kritisches Denken und Schreiben angeregt haben. Im Rahmen des Festivals wird ihr Werk mit einer Lesung, einem Filmprogramm sowie einer Ausstellung im Metropolis-Foyer gewürdigt. (Metropolis 18.00. 11.00 Uhr)

APRÈS FILM AUSTAUSCH

Gäste und Filminteressierte sind eingeladen, nach dem Kinobesuch im Gängeviertel zum Austausch zusammenkommen – nur wenige Schritte vom Metropolis-Kino von Mittwoch bis Freitag ab 21 Uhr nach geltenden Hygieneregelungen. Weitere Infos dazu gibt es im Programmheft.

FESTIVALPROFIL

Die dokumentarfilmwoche hamburg hat sich einen festen Platz unter den Hamburger Filmfestivals erobert. Sie ist als lokaler Treffpunkt für Dokumentarfilminteressierte ebenso einzigartig wie als Plattform für die ansässige Filmkultur und den Austausch mit internationalen Gästen. Gezeigt wird eine große Bandbreite an Produktionen, die von experimentellen, ohne Senderbeteiligung und Fördermittel erstellten Dokumentarfilmen bis hin zu herausragenden internationalen Koproduktionen reicht. Wichtig ist auch die Bindung zu Hamburgs Dokumentarfilmszene. Deren Arbeiten werden unter dem Label „Dokland Hamburg“ präsentiert. Außerdem will das Team den Austausch über den Dokumentarfilm als Kunstform in all seinen Facetten vorantreiben. Das Festival wird kollektiv organisiert unter dem Dach des Vereins dokumentarfilmwoche hamburg e. V.

Die dokumentarfilmwoche hamburg bereichert die Kulturlandschaft der Hansestadt Hamburg bereits seit 2004 und ist seitdem stetig gewachsen. Das Festival findet in der Regel im April statt, 2020 und auch in diesem Jahr musste es aufgrund der Coronapandemie in den Herbst verschoben werden.

Die Website mit dem vollständigen Programm: www.dokfilmwoche.com (online ab dem 20.08).

SPIELORTE

EINTRITTSPREISE

  • 8 Euro / 6 Euro (ermäßigt)
  • Festivalpass (nur im Kino): 35 Euro / 25 (ermäßigt)
  • Online sind Tickets nur für das Metropolis über deren Website erhältlich.

(nach einer Pressemitteilung der dokfilmwoche)

 

Titelfoto: Der 8-Stunden-Film „The Works and Days“ von C. W. Winter und Anders Edström eröffnet die dokumentarfilmwoche (Foto: Still aus dem Film)