Christoph Corves erhält Medienpreis der Deutschen Geografie 2003

Der Kieler Dokumentarfilmer Christoph Corves ist beim diesjährigen Medienpreis der Deutschen Geografie mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden. Er erhält die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung für seine 43-minütige Filmreportage “Süßhunger – Der heimliche Zuckerkrieg”, die im N3-Fernsehen am 24. September 2002 erstmals ausgestrahlt wurde.

Christoph Corves überzeugte die Jury mit seinem Dokumentarfilm über das komplexe globalisierte Weltmarkt-Netzwerk rund um den Zucker. Der mit großem Aufwand recherchierte Film zeigt eindrucksvoll, wie der Weltmarkt für Zucker im Detail funktioniert. Für seine von der EU-Kommission, der MSH – Gesellschaft zur Förderung audiovisueller Werke in Schleswig-Holstein und dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) geförderte Reportage war Corves über drei Jahre lang in der Karibik, Mexiko, Frankreich, den USA und Schleswig-Holstein unterwegs.

Auf seiner Suche nach Siegern und Verlierern im globalen Zuckergeschäft lässt der Autor haitianische Wanderarbeiter auf einer Zuckerrohrplantage in der Dominikanischen Republik, einen Rübenbauern in Dithmarschen und Broker an der New Yorker Warenterminbörse ebenso zu Wort kommen wie einen Affenforscher in Paris und Gen-Ingenieure in Texas. Und er zeigt in beeindruckenden Bildern, was ihr Leben verbindet.

Nach Auffassung der Jury ist es Corves überzeugend gelungen, die weltweiten Zusammenhänge und Wechselwirkungen, die Mechanismen von europäischer Subventionspolitik, Billigproduktion in der Dritten Welt und dem Gewinnstreben großer Industrie- und Handelskonzerne aufzudecken und am Beispiel eines alltäglichen Produkts sichtbar zu machen, was Globalisierung bedeutet. Außer der vorbildlichen Recherche und der sehr kompetenten wirtschafts- und sozialgeografischen Darstellung des Themas lobte die Jury auch die Dramaturgie und Kameraführung des Beitrags.

Christoph Corves, Jahrgang 1962, studierte Geografie und Biologie an den Universitäten Kiel und Edinburgh (1983-1989). Postgraduiertenstudium und Promotion in Geografie an der Universität Edinburgh (1990-1995). Seit 1996 als Autor, Produzent, Kameramann und Cutter von Dokumentarfilmen, TV-Reportagen und Bildungsmedien tätig. 2002 folgte Christoph Corves einem Ruf an die Universität Kiel, wo er als Juniorprofessor am Geografischen Institut das Zentrum für Geografie und Medien aufbaut.

Die Verleihung des Medienpreises der Deutschen Geografie an Christoph Corves findet im Rahmen der Schlussfeier des 54. Deutschen Geografentages am 1. Oktober 2003 in Bern im Kultur-Casino statt.

Mitglieder der Jury waren neben Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Geografie Erwin Brunner, stellvertretender Chefredakteur National Geographic Deutschland, Peter-Matthias Gaede, GEO-Chefredakteur, und Wolfgang Hess, Chefredakteur von Bild der Wissenschaft. Die Jury lobte ausdrücklich die Vielfalt und die hohe Qualität der eingereichten Arbeiten und betonte, dass ihr die Auswahl des Preisträgers nicht leicht gefallen sei.

Ins Leben gerufen hat den Medienpreis der Deutschen Geografie die Deutsche Gesellschaft für Geografie (DGfG), die Dachorganisation der geografischen Verbände und Gesellschaften in Deutschland. Gewürdigt werden herausragende deutschsprachige Berichte, Radiofeatures oder Filmreportagen, die einem breiten Publikum ein geografisches Thema spannend, informativ und wissenschaftsnah darlegen. Der Preis wird alle zwei Jahre zum Deutschen Geografentag verliehen.

(nach einer Pressemitteilung der DGfG)