Soziale Absicherung freischaffender Künstlerinnen und Künstler: Die Positionen der Landtagsfraktionen
Am 8. Oktober 2026 befasste sich der Schleswig-Holsteinische Landtag unter Tagesordnungspunkt 24 mit der sozialen Absicherung freischaffender Künstlerinnen und Künstler. Gegenstand war die Initiative, innerhalb der Künstlersozialversicherung eine zusätzliche Säule einzurichten, die selbstständige Kulturschaffende auch bei vorübergehenden Erwerbs- und Einkommenslücken absichern soll.
Solche Phasen entstehen beispielsweise während der Vorbereitung neuer künstlerischer Projekte, bei Proben oder zwischen Engagements. Anders als abhängig Beschäftigte verfügen freischaffende Künstlerinnen und Künstler bislang über keine vergleichbare Absicherung gegen diese berufstypischen Einkommensausfälle.
Mit einem gemeinsamen Antrag unterstützten die Landtagsfraktionen eine entsprechende Bundesratsinitiative Nordrhein-Westfalens. Die fünf Fraktionen gaben ihre Stellungnahmen zu Protokoll. infomedia.sh dokumentiert die Positionen in der Reihenfolge SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und SSW.
SPD – Beate Raudies
Was ist uns Kultur wert? – Für eine moderne und gerechte Künstlersozialversicherung
Raudies fordert eine eigenständige, beitragsfinanzierte Säule innerhalb der Künstlersozialversicherung. Sie verweist auf die niedrigen Durchschnittseinkommen der Versicherten und die fehlende Möglichkeit, ausreichende Rücklagen für Phasen ohne Honorarzahlungen zu bilden. Die bisherige soziale Absicherung werde den besonderen Arbeitsbedingungen künstlerischer Berufe nicht gerecht.
Vollständiger Wortbeitrag von Beate Raudies
CDU – Anette Röttger
Attraktive Rahmenbedingungen für Künstlerinnen und Künstler
Röttger betont den gesellschaftlichen Wert von Kunst und Kultur und die Notwendigkeit verlässlicher finanzieller und sozialer Rahmenbedingungen. Künstlerische Erwerbsbiografien unterschieden sich grundlegend von klassischen Beschäftigungsverhältnissen. Die CDU unterstütze deshalb eine nachhaltige Verbesserung der sozialen Absicherung.
Vollständiger Wortbeitrag von Anette Röttger
Bündnis 90/Die Grünen – Uta Röpcke
Künstlerische Freiheit braucht soziale Sicherheit
Röpcke weist darauf hin, dass künstlerische Arbeit auch dann stattfindet, wenn keine Einnahmen erzielt werden. Eine neue Versicherungssäule müsse die unterschiedlichen Erwerbsverläufe in den verschiedenen künstlerischen Sparten berücksichtigen. Neben sozialer Absicherung seien faire Honorare und der Abbau von Einkommensunterschieden notwendig.
Vollständiger Wortbeitrag von Uta Röpcke
FDP – Anne Riecke
Soziale Absicherung und Eigenverantwortung zusammendenken
Riecke befürwortet grundsätzlich eine zusätzliche Absicherung, betont jedoch die Notwendigkeit einer langfristig tragfähigen Finanzierung und angemessener Eigenverantwortung. Sie verweist auf unterschiedliche Finanzierungsmodelle und fordert außerdem eine Klärung, wie selbstständige Publizistinnen und Publizisten in die geplante Regelung einbezogen werden sollen.
Vollständiger Wortbeitrag von Anne Riecke
SSW – Christian Dirschauer
Kulturelle Vielfalt erhalten!
Dirschauer unterstützt die Initiative und hebt die Bedeutung der Künstlersozialkasse für die soziale Absicherung der Kulturschaffenden hervor. Bei einer Erweiterung ihrer Leistungen müssten auch der Bund und die Verwerter künstlerischer Leistungen zusätzliche finanzielle Verantwortung übernehmen. Die häufig niedrigen Einkommen der Versicherten dürften nicht durch unverhältnismäßige zusätzliche Beiträge belastet werden.