„Im Licht der Sandbank“ (D 2025, 75 Min., Dokumentarfilm von Kilian Helmbrecht)

Begleitete Einsamkeit ist schon in der ersten Einstellung von „Im Licht der Sandbank“ zu sehen. Vogelwart (und Regisseur und Kameramann) Kilian Helmbrecht auf dem winterlichen Weg von Cuxhaven durchs Wattenmeer zur Vogelschutz-Insel Scharhörn. Ihn erwarten sieben Monate Einsamkeit – und Mehrsamkeit mit den Vögeln des Wattenmeers zwischen Ebbe und Flut.

Was regt ihn mehr an, die menschliche Einsamkeit oder die Vögel, die in Schwärmen durch das Watt und die Dünen flattern? Cinemascope-Bilder der weiten Horizonte mit dem Soundtrack der Vogelstimmen. All-ein sein im Alleinsein. Kilian hockt auf seiner auf Stelzen stehenden neuen Heimat, Handy geht noch, der Sturm peitscht, die Vögel gleiten auf ihm. Immer wieder teilen die Aufnahmen des Horizonts blaugrauen Himmel und grünende Erde. Wie kommt man da an? Und wie bricht man irgendwann wieder auf?

Wie die Vögel: Ankommer und wieder weg Flügelnde auf ihren Zügen. Kilian beobachtet und zählt sie, die vielen Arten, erkennbar an ihren Federn und Lauten. Er ein schweigend-stoischer Beobachter. Kaum etwas von ihm hört man, wenn die Vögel zwitschern und in Schwärmen (sich be-)rauschen. Dann wieder die Stille des Watts, die Lichter der hereinbrechenden Nacht mit den Positionslichtern der Schiffe am Horizont.

Allein im All-Sein (Film-Still: Kilian Helmbrecht)

Noch mehr Horizont und endlose Welle und Weite. Deren Bilder sprechen für sich, statt für etwas anderes als willkommene Einsamkeit. Mitten drin Kilian, der nicht nur für die Vögel, sondern auch für sich sorgen muss – ein „Survival-Camp“ inmitten lebendigster Natur. Zumal wenn Regen, Hagel, Gewitter und Sturm kommen. Und über Radio aktuelle politische Nachrichten – wie aus einer anderen Welt. Dann wieder das parlamentarische Schnattern der Möwen, brütend auf ihren Nestern. Und wieder wilder Wind, der die Gräser beugt auf Dünen und an Wassern.

Umtoste vorübergehende Heimat (Film-Still: Kilian Helmbrecht)

Fast wie bei Hitchcock fallen die Vögel ein, hunderte, tausende Strandläufer, die das flache Meerwasser zum Schäumen bringen (siehe Titelbild). Danach die idyllische Ruhe mit leisem Zwitschern. Natur in ihren Pulsen – vor den Herausforderungen des Klimawandels, der auch auf der kleinen Insel in der Elbmündung mehr und mehr sicht- und fühlbar wird.

Der Film zeigt neben dieser ökologischen Botschaft wie ein Mensch inmitten der flatternden Fluten sein Er- und Überleben sucht – und findet. Ohne Flügel an die Erde gebunden, doch wenn nicht im, so doch direkt neben dem Himmel. (jm)

„Im Licht der Sandbank“ wird außer Konkurrenz beim Filmfest SH 2026 in der Reihe FilmFörde am Mittwoch, 11. März 2026, 19 Uhr im KulturForum in der Stadtgalerie Kiel gezeigt. Produzent Alex Hasskerl (Atara Film GmbH) ist zum Q&A mit dem Publikum anwesend.

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