„Regen fiel auf nichts Neues“ (D 2025, 85 Min, Buch/Regie: Steffen Goldkamp)
David Köhler (Noah Sayenko) saß im Gefängnis, jetzt wird er entlassen – in eine Welt, die nicht mehr seine ist. Wenn sie denn je seine war. Autor und Regisseur Steffen Goldkamp zeigt den Delinquenten. Er kommt aus dem Knast und kommt wieder in den Knast (wie das gleiche Closeup am Anfang und Ende zeigt).
Establishing Shot: Wir befinden uns in einem Gefängnis. Nahaufnahmen, immer nur ein Teil des Gesichts. David reinigt den Gefängnisflur, Beklemmung wie an der Beschickung der Waschmaschinen … David wird entlassen. Das Entlassungsgeld wird ihm vorgezählt, dann tritt er mitten in das fremde Leben draußen, laut und verwirrend. Der Weg zurück zur Kriminalität ist nicht weit. Wäre da nicht die Wohngruppe, in der er zeitweilig Unterschlupf findet. Doch auch da ständige Demütigungen. Oder wie beim Bewerbungsfotos Machen: „Ein bisschen schmunzeln, kleines Lächeln, bitte!“ Schwer …
Davids erster Arbeitsplatz: Tellerwäscher, aber hier wird man nicht zum Millionär. Und flugs wird er vom Arbeitgeber – oder sollen wir sagen: Ausbeuter? – wieder entlassen, weil der Arbeitgeber/Ausbeuter nicht mit Vorbestraften arbeiten will.
Eine soziale Aktualität, die der Filmemacher Steffen Goldkamp im luziden Wechsel zwischen Spiel- und Dokumentarfilm abbildet (Spielfilm) und zugleich kritisiert (Dokumentarfilm). Davids Freundin Janine arbeitet selbst in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Doch sie sagt David: „Mach einfach weiter!” Das macht er, er macht einen Bruch. Wie kann man sauber bleiben in einer Gesellschaft, die die vermeintlich Unsauberen ausstößt, die aber selber unsauber ist? David wird zum Räuber, David wird wieder verhaftet. Und wie bei „Papillon“ ist ein zahmer Vogel in der Zelle das einzige Wesen, das in Freiheit durch die Gitter flattert.
Der beeindruckende Film endet in der selben Einstellung wie am Anfang. Ein Hals, der von Anfang bis Ende in einer virtuellen Schlinge liegt. (jm)
- Buch/Regie: Steffen Goldkamp
- Kamera: Tom Otte
- Schnitt: Jelena Maksimović
- Musik: Billy Bultheel
- Produktion: Tamtam Film GmbH
- Gefördert von: MOIN, nordmedia, FFA, BKM
- Trailer
- Filminfos bei Filmfest HH
- Der Film läuft am 19.3.2026, 20:30 Uhr im Kino in der Pumpe beim Filmfest SH 2026 im Wettbewerb um den Gesa-Rautenberg-Preis.