Bereits Mitte Dezember 2025 beschloss der Schleswig-Holsteinischer Landtag einen Haushaltsantrag zur gezielten Förderung studentischer Filmarbeiten und ländlicher Kinos. Die kulturpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Uta Röpcke, begründete den umfassenden Antrag, der neben Film und Kino auch die (Pop-) Musik, das Literaturhaus, die Volkshochschulen sowie freie Theater berücksichtigte, mit klaren Worten:

„Nach demselben Prinzip funktioniert Film- und Kinokultur und Literatur ‚Made in Schleswig-Holstein‘: Jungen Filmemacher*innen von der Hochschule Flensburg fehlt meist das Geld, um ihre Abschlussfilme zu produzieren. Es gibt immer weniger Kinos, besonders in ländlichen Räumen, in denen diese Filme gezeigt werden können. Hier setzen wir mit über 100.000 Euro einen Impuls, damit Filmschaffende Geschichten ‚Made in Schleswig-Holstein‘ auch in Schleswig-Holstein erzählen können.“

In dieser Woche gelang es der Abgeordneten zusammen mit ihrer Kollegin Anette Röttger (CDU) mittels eines Folgeantrages, die Bereitstellung der Fördermittel für studentische Filmarbeiten noch für dieses Jahr sicherzustellen – auch wenn das Vergabeverfahren derzeit noch geklärt wird. Damit setzt die Landesregierung ein zentrales Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag SH 2020-2027 (s. S.: 221 ff) um: die gezielte Unterstützung von Studierendenfilmen in Produktion und Postproduktion, um ihre künstlerische Qualität zu stärken und ihre Chancen auf Festivalteilnahmen deutlich zu erhöhen.

Wir geben die Beschlussanträge hier in voller Länge wieder:

Zum Tagesordnungspunkt 21 – „Talente in der Filmbranche frühzeitig fördern“ – in der Landtagsdebatte am 26.02.2026 sagte die kulturpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Uta Röpcke:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie mögen sich wundern, dass wir zu einer im Haushalt bereits bewilligten und vergleichsweise geringen Summe diesen Antrag stellen: Warum tun wir das? Erstens, weil dieser Haushaltstitel neu ist. Zweitens, weil er noch nicht ausgestaltet ist. Und drittens, weil wir klar benennen wollen, welche Lücke damit geschlossen werden soll. Ein Titel im Haushaltsplan allein produziert noch keinen Film. Deshalb wird es in einem ersten Schritt darum gehen, aus diesen Mitteln ein funktionierendes Instrument zu machen, das Studierende schon ab dem Sommersemester 2026 tatsächlich erreicht und zwar unbürokratisch und fair.

In der Regierungserklärung gestern ging es um ein umfassendes Bildungspaket: Um Verlässlichkeit, Chancengerechtigkeit und Übergänge. Dieser Antrag folgt derselben Logik, nur an einem anderen Übergang: Vom Studium in die Praxis, von der Abschlussarbeit zur professionellen Sichtbarkeit. Warum braucht es diese neue Struktur? Weil filmische Studienleistungen keine „Seminararbeit mit Kamera“ sind. Wer einen Kurzfilm, eine Doku oder ein künstlerisch-experimentelles Bewegtbildprojekt fertigstellt, braucht reale, professionelle Produktionsbedingungen: Dreh, Ton, Schnitt und am Ende eine Postproduktion auf einem Niveau, das festivalfähig ist. Genau hier entscheiden vergleichsweise geringe Summen darüber, ob ein Film fertiggestellt, ob er eingereicht und auch angenommen wird, und damit auch darüber, ob der erste Karriereschritt gelingt. Sprich: Ob sich ein Talent in eine künstlerische Laufbahn verwandelt.

Ein Beispiel aus Schleswig-Holstein macht das greifbar: „Flensburg Süßbitter“. Fünf Studierende aus dem Bachelor Studiengang Film & Media Arts an der Hochschule Flensburg haben sich filmisch mit der kolonialen Rum-Handelsgeschichte Flensburgs auseinandergesetzt und damit bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt: Der Film wurde beim Deutschen Jugendfilmpreis 2024 ausgezeichnet und begeisterte auf unzähligen Festivals. Solche Beispiele zeigen: Talent ist da. Relevante Stoffe auch, aber ohne professionelle Produktionsbedingungen bleibt die Qualität zu oft unsichtbar. In Schleswig-Holstein haben wir drei fantastische Hochschulen in dem Bereich mit sehr unterschiedlichen Profilen: In Flensburg ist die technische Ausstattung gut, aber es fehlen oft Mittel für Sachkosten bei Drehs für Reisen, Unterkünfte, Catering. An der HAW Kiel braucht es Mittel für Produktionsnebenkosten. Und an der Muthesius stehen wieder andere Bedarfe im Vordergrund. Wenn Absolvent*innen erleben, dass sie ihre Projekte hier professionell verwirklichen können, bleiben sie, gründen und vernetzen sich. Wenn nicht, wandern sie dorthin ab, wo Strukturen verlässlicher sind: Nach Hamburg, Berlin, NRW oder Bayern.

Genau diese Abwanderung wollen wir verhindern, mit einem kleinen, klugen Hebel. Wie genau das gelingt, wissen Hochschulen und MOIN aus der Praxis selbst am besten. Wir nehmen die Hochschulen in ihrer Profilfreiheit ernst: Unterschiedliche Bedarfe müssen Studierenden gleich faire Chancen bieten. Unser Vorschlag: Jetzt zügig eine schlanke Übergangslösung für 2026, damit Studierende sofort profitieren können, und parallel die gemeinsame Entwicklung eines dauerhaften Verfahrens. 50.000 Euro werden keine ganze Branche finanzieren. Aber sie können jedes Jahr mehrere studentische Abschlussarbeiten ermöglichen, die es sonst nicht gäbe. Sie können Abwanderung verhindern. Ob Schleswig-Holstein Filmstandort ist, entscheidet sich nicht allein an großen Produktionen wie „Amrum“ oder prominenten Namen, sondern genau dort, an den Hochschulen, wo Nachwuchs bleibt oder geht. Film und audiovisuelle Formate sind Kultur und gleichzeitig kreativwirtschaftliche Wertschöpfung: Dienstleistungsketten vom Tonstudio bis zur Postproduktion bedeuten neue Ansiedlungen, Gründungen, Aufträge, Innovation. Der Antrag formuliert deshalb ausdrücklich das Ziel, die Kreativwirtschaft und die regionale Wertschöpfung zu stärken und zugleich Bildungsgerechtigkeit zu fördern, damit Qualität von studentischen Abschlussarbeiten nicht vom Geldbeutel abhängt. Und Sie können dazu beitragen, dass Schleswig-Holstein nicht nur Drehort bleibt, sondern Herkunftsort neuer junger Stimmen, Gesichter und filmischer Geschichten aus Schleswig-Holstein.“

Zum Tagesordnungspunkt 21 – „Talente in der Filmbranche frühzeitig fördern“ – in der Landtagsdebatte am 26.02.2026 sagte die kulturpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der CDU, Anette Röttger:

„Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
der Landtag feiert am heutigen Tage sein achtzigjähriges Bestehen – die Vizepräsidentin von Kalben sprach heute Vormittag über diesen ganz besonderen Jahrestag. Mutige Frauen und Männer machten sich damals auf den Weg, das Land zwischen den Meeren nach den Gräueln des Krieges und den Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes in eine bessere, freie und demokratische Zukunft zu führen. 80 Jahre ist unser schönes Bundesland im echten Norden also jetzt alt und verfügt über eine wertvolle Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte gewachsen ist und sich auch immer wieder neu erfindet. Hier gibt es viele einzigartige und sehenswerte Orte, Welterbestätten und zahlreiche sichtbare innovative Entwicklungen.
Nicht nur Lübeck wird immer wieder als begehrte echte Filmkulisse genutzt. In Schleswig-Holstein wird gern gedreht. Unsere schleswig-holsteinische Filmlandschaft hat schon so manchen ausgezeichneten Film hervorgebracht. Das ist regionale Wertschöpfung.
Die hier lebenden Menschen erkennt man an ihrer Sprache, ihren Berufen oder an ihren Lebensgewohnheiten. Unter den überzeugten Schleswig-Holsteinern gibt es unzählige echte Typen und besondere Talente. Sie übernehmen Filmrollen und tragen die Identität unseres Landes in die Welt.
Gerade präsentierte sich die MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein auf der 76. Berlinale mit acht Filmen und setzte nicht nur mit dem Eröffnungsfilm ein starkes Zeichen. Der Film „Gelbe Briefe“ wurde als bester Langfilm mit dem goldenen Bären ausgezeichnet.
Auch beim anstehenden 30. Filmfest SH hier in Kiel, auf den Flensburger Kurzfilmtagen, beim Green Screen Festival oder auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck – Schleswig-Holstein hat für Filmfans im Land so einiges zu bieten. Dabei ist die Nachwuchsförderung immer mit im Fokus und das ist gut so.
Der Filmnachwuchs wird in Schleswig-Holstein an drei Hochschulen in Kiel und Flensburg in unterschiedlichen Profilen ausgebildet. Es ist unser Ziel, jungen Nachwuchstalenten den Übergang von der Hochschule in die Festival- und Branchenrealität zu erleichtern.
Die Filmemacher in der Film- und Medienbranche gehören zur Kreativwirtschaft. Sie müssen sowohl die technischen Grundlagen des Filmemachens beherrschen, Animationen, Spiel-, Dokumentar- oder Werbefilme drehen können, die notwendige Ästhetik und die erforderliche Dramaturgie der Geschichte beherrschen und schließlich dazu in der Lage sein, den produzierten Film gut zu verkaufen.
Medien und bewegte Bilder gehören in unseren Alltag. Die Filmbranche ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. In der Filmbranche gibt es gut vernetzte Produktionsstandorte mit kleinen und mittelständischen Produktionsfirmen, mit Dokumentarfilm-Expertise und einer aktiven Festivalkultur.
Im vorliegenden Antrag geht es um die frühzeitige Förderung junger Talente in der Filmbranche. Unser Ziel ist eine praxisnahe, niedrigschwellige Nachwuchsförderung. Sie dient der Stärkung des Filmstandortes Schleswig-Holstein.
Für die Förderung filmischer Abschlussarbeiten haben wir im Haushalt eine Summe von 50.000 € zur Verfügung gestellt.
Damit Studierende audiovisueller Studiengänge bei der Produktion ihrer Abschlussarbeiten diese Förderung in Anspruch nehmen und direkt unterstützt werden können, bitten wir die Landesregierung gemeinsam mit der MOIN- Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, ein transparentes und anwenderfreundliches Förderverfahren zu entwickeln.
Dabei soll in einer bürokratiearmen Umsetzung den Hochschulen die Auswahl und Abrechnung der Förderungen überlassen bleiben und zugleich den Studierenden eine schnelle Mittelverfügbarkeit gewährleistet werden.
Für den Abschlussjahrgang 2026 bedarf es einer Übergangsregelung, damit Studierende von der Förderung profitieren.
Schleswig-Holstein tut gut daran, Filmschaffende mit einer verlässlichen Filmpolitik zu unterstützen.
Ich freue mich, dass wir diese kreative Vielfalt mit einem kleinen und dennoch wirkungsvollen Beitrag unterstützen und bitte um Zustimmung zu unserem Antrag.
Herzlichen Dank.“

(Daniel Krönke nach einer Pressemitteilung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Schleswig-Holsteinischen Landtag)

 

Titelbild: Kulturpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Uta Röpcke (Foto: B90/Grüne, Landtag SH)
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