23. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest (7. bis 12. November 2006)

Mit insgesamt 214 dokumentarischen sowie künstlerisch-experimentellen Arbeiten und einem aufgestockten Preistopf geht das 23. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest (7. bis 12. November 2006) an den Start. Für die einzelnen Festivalsektionen gingen dieses Jahr fast 2200 Bewerbungen aus 64 Ländern ein. Zu sehen sind an den sechs Festivaltagen 40 Lang- und 174 Kurzfilme aus 21 Ländern in drei Festivalkinos. Eröffnet wird das Festival mit „Mein anderes Leben – der Hochstaplerfilm“ von Alexander Adolph. Auf die 53 nominierten Beiträge und 16 Medieninstallationen warten diesmal drei mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Preise sowie das A38-Produktions-Stipendium im Wert von 8.000 Euro.

Das Kasseler Festival sieht sich als wichtige Bühne für den filmischen und künstlerischen Nachwuchs. Ob Altmeister oder Erstlingswerk: In Kassel werden letztere nicht in als „Studentenprogramm“ markierte Nischen gedrängt, sondern Anfängerarbeiten stehen in den Kompilationsprogrammen neben den Filmen der Profis. Den Nachwuchs und dessen besten Dokumentarfilm zeichnet der „Goldene Schlüssel“ aus, dessen Preisgeld in diesem Jahr verdoppelt wurde und der nun mit 5.000 Euro die höchstdotierte Auszeichnung des Festivals ist. In Kassel durchmischt sich aber nicht nur Jung und Alt. Denn für die Programmzusammenstellung zählt das Thema und nicht die Form, Experimentelles oder Künstlerfilme stehen neben Dokumentarischem und im Ausstellungsbereich finden Dokumentation oder Narration in installierten Räumen ihre Form.

Thematische Schwerpunkte sind dieses Jahr Identität und die Suche danach, wie sie das Kurzfilmprogramm „Wer bin ich und was will ich?“ formuliert oder die Protagonisten in dem Eröffnungsfilm „Mein anderes Leben – der Hochstaplerfilm“ aufwerfen. Viele Regisseure untersuchen Architektur und Räume; filmische Ergebnisse fassen die Kompilationsprogramme „Vergänglichkeit des Ortes“, „Szenen im öffentlichen Raum“ oder „Platte mit Aussicht – über das Neubaugebiet Dresden-Gorbitz“. Dem Medium Film und dem Kino widmen sich „Das Kino und seine Phantome“ sowie mehrere Langfilme, darunter „Zukunft Kurzfilm“ oder „Behind the Couch – Casting in Hollywood“. Auch Ökologie wird in verschiedenen Programmen behandelt wie in „Ökophobia? Zeugen ökologischer Katastrophen“ oder in Nikolaus Geyrhalters „Unser täglich Brot“ über die Nahrungsmittelindustrie. Innen- wie außenpolitische Fragen werfen die Beiträge der Themenblöcke „Ruanda – Gegenwart der Vergangenheit“ oder „Unter deutschen Dächern“ auf. Krieg als extremstes Mittel der Politik analysieren „Occupation: Dreamland, Konspirantinnen“ oder „Der unbekannte Soldat“, den Regisseur Michael Verhoeven persönlich in Kassel vorstellen wird. Gleichzeitig Zeit- und Kulturgeschichte reflektieren zahlreiche Musikfilme wie „Monks – The Transatlantic Feedback“ über die legendären „Anti-Beatles“ oder „Dancefloor Caballeros“, ein Roadmovie über den Versuch engagierter junger DJs, die elektronische Musik in der kubanischen Provinz salonfähig zu machen.

Das Kasseler Festival bietet auch 36 neuen Produktionen aus Hessen ein Forum. Als Beispiel für die hohe Qualität dieser Filme sei „Angriff auf den Traum“ von Uli Stelzner, der hier seine Weltpremiere feiert, genannt. Ebenfalls eine hessische Produktion ist „Der Panzerknacker“ von Peter Dörfler, in dem der Kriminelle Otto Schäfer aus dem Nähkästchen plaudert. Weiterhin stehen zwei Specials auf dem Programm: Die Präsentation des Images Festival Toronto ist ein Beispiel für die interkontinentalen Beziehungen des Kasseler Festivals. Außerdem würdigt eine Werkschau Hans Schabus, der in diesem Jahr den Kasseler Arnold-Bode-Preis erhält.

Weitere Programmsäulen sind die Ausstellung MONITORING, deren 16 Medieninstallationen – darunter Arbeiten von Ulf Aminde, Julika Rudelius oder Amie Siegel – sich dieses Jahr schwerpunktmässig mit Architektur und Gesellschaft befassen; die Fachtagung interfiction beleuchtet die „Prosumer“ als eine Mischung aus Verbraucher (Consumer) und Hersteller (Producer) und die Live Visuals schließlich geben dem Festivalpublikum mit erweiterten Öffnungszeiten und mehr Programmplätzen ein künstlerisch-kommunikatives Forum.

Auch zwei von der Kulturellen Filmförderung S.-H. geförderte Dokumentarfilme sind in Kassel zu sehen, Quinka Stoehrs „Zuneigung“ über die Kamerafrau und Filmemacherin Gisela Tuchtenhagen“, sowie „Die Trash-Cineasten“ von  Egon Bunne.

Eine vorläufige Programmübersicht sowie Bildmaterial finden sich ab dem 4. Oktober im Pressebereich der Internetseite: www.filmladen.de/dokfest. Der Festivalkatalog erscheint am 26. Oktober.

(nach einer Pressemitteilung des Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest)