Dokumentarisches aus der Region im Förderverbund

Mit der Erinnerung an das 7. Filmfest Schleswig-Holstein Augenweide in Kiel noch im Gedächtnis und dem Programm für die Dokfilmwerkstatt Drehort OstWestDeutschland in Wismar vor Augen fällt auf, in welch überzeugender Qualität, Vielfalt und emotionaler Stärke im Norden der Republik inzwischen Dokumentarfilme produziert werden. Das betrifft sowohl die Fernseharbeiten wie z.B. Antje Huberts “Jetzt fahr’n wir übern See” oder Christoph Corves und Delia Castiñeiras “Das grüne Gold der Inkas” als auch die freien Arbeiten von z.B. Lotti Marsau “Tot in Lübeck” oder Ulrich Bährs “Meier, Fuchs und Loeffelbein”.

Wohlbemerkt, die zitierten Filme sind nur Beispiele für eine ganze Reihe gleichermaßen beeindruckender neuer Arbeiten. Nicht alle sind ausschließlich hier entstanden oder nur in der Region verwurzelt. Viele, und da zeigt sich eine neue Qualität der Zusammenarbeit, sind entstanden, weil neben der regionalen kulturellen Förderung auch eine intensive Kooperation überregionaler Förderungen betrieben wird, in der Unterstützung von guten Stoffen, guten Filmen. Das heißt bezogen auf die einzelne Region mehr Wettbewerb, höhere Standards und letztendlich auch überregional verwertbare Filmproduktionen. Und das Ganze geschieht nicht zu Lasten regionaler Spezifika und überaus notwendiger Nachwuchsförderung und filmischer Basisarbeit, sondern als zusätzliches Stimulans für das kreative filmische Schaffen in der Region. So verwundert es nicht, wenn vier Produktionen (“Meier, Fuchs und Loeffelbein”, “Für den Schwung sind sie zuständig”, “Jetzt fahr’n wir übern See”, “www.betreuteLoecher.de”) sowohl bei Augenweide als auch in der Dokfilmwerkstatt Wismar (Kulturelle Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern) laufen und ein weiterer gemeinsam geförderter Film (“Schnitt – der Regisseur und die Cutterin”) in Wismar Premiere hat.

Unter dem Blickwinkel der beiden Veranstaltungen Augenweide und Dokfilmwerkstatt soll nicht der dritte aktive Partner des Förderverbundes weiter im Süden ins Hintertreffen geraten. Die Kulturelle Filmförderung in Hessen hat auch ein förderndes Auge auf den kreativen Dokumentarfilm geworfen und ist mit mehreren Projekten am Verbund beteiligt.

Der Förderverbund soll den Zugang zu Filmförderungsmitteln erleichtern und für die Filmemacher vereinfachen, damit der Weg von der Filmidee zur Produktion kürzer wird. Mit einer Förderungszusage aus einem der drei am Verbund beteiligten Filmfördereinrichtungen können Filmemacher dasselbe Projekt in den anderen beiden einreichen, ohne einen expliziten Landesbezug nachweisen zu müssen. Das entsprechende Projekt wird bei der Vergabe von Förderungsmitteln so behandelt wie ein Projekt aus dem eigenen Lande. Die Fördermittel sollen so konzentriert werden, um eine raschere Realisierung der Filmprojekte zu ermöglichen.

Alle drei Mitglieder des Förderverbunds gehören bekanntermaßen nicht zu den Großen der Branche; alle drei sind Kulturelle Filmförderungen, die mit Stolz auch auf die medienwirtschaftlichen Effekte ihrer Förderarbeit in der Region verweisen können. Alle drei Institutionen sind genauso offen für andere Formate wie den Kurzfilm, den abendfüllenden Spielfilm, den experimentellen oder Animationsfilm, treffen sich aber in der Kooperation häufiger bei Dokumentarfilmprojekten.

Das Entwickeln und Pflegen der Filmkultur in der Region ist keine einfache Aufgabe und wird auch Thema sein auf dem Dokumentarfilmsymposium im September in Riga. Andere Gebiete im Europa der Regionen beschäftigen sich mit ähnlichen Problemen, suchen ihren Weg zum Erfolg aus der Region heraus. So bleibt das Modell des Förderverbundes, welches es unter anderen Vorzeichen öfters in der Film- und Medienbranche gibt, ein guter Weg das filmische Niveau weiter zu steigern, Filmprodukte mit überregionalen Verwertungsmöglichkeiten zu schaffen und trotzdem der Region verbunden zu bleiben. (bgn)