Maulwürfe und andere “gute” Böse

Infernal Affairs (Wu jian dao) (Andrew Lau, HK 2002)

Gläserne Büros, neonkühle Parkhäuser, Limousinen mit getönten Scheiben, dazu der lauernde Blick von Undercover-Agenten. Wer hier “die Guten” und wer “die Bösen” sind? Andrew Laus mal in den Special-Agent-Büros versickernder, mal hitzige Schusswechsel inszenierender Film lässt es bewusst offen. Am Anfang steht ein chinesisches Sprichwort: Die achte Hölle sei die schlimmste, denn sie ist ewig. Kein Entrinnen gibt es für die Protagonisten Ming (Tony Leung Chiu-wai) und Yan (Andy Lau) aus dem engmaschigen Geflecht von Gut und Böse. Ming wurde vom Triaden-Chef Sam als Maulwurf in die Polizei eingeschleust und macht dort Karriere. Yan, einst mit Ming in der selben Ausbildungseinheit, ist der Widerpart, verdeckter Ermittler im Lager der Hongkong-Mafia.

Gläserne Undurchschaubarkeit der Büros – Andy Lau

In der Hölle verwischen die Grenzen zwischen organisiertem Verbrechen und seiner organisierten Bekämpfung, klingeln die Handys und versenden geheime Morsebotschaften per Klopfzeichen – eine treffende Metapher auf das Archaische dieses Kampfs der Welten mitten im hochtechnisierten Großstadtdschungel. Lau lässt die Kamera über verhärtete und doch ängstliche Gesichter streifen, als sei sie selbst der Undercover-Agent des Zuschauers. Auf kleine Gesten und wie zufällig irgendwo hingekritzelte Schriftzeichen fällt ihr Zoomblick, denn mit solchen klandestinen Botschaften verständigen sich die Maulwürfe mit ihrem jeweiligen Bau und verraten sich damit auch. Wer Botschaften sendet, kann auch entschlüsselt und entlarvt werden.

Auf sich selbst gestellte Geheimagenten, die am Ende gegen alle Seiten und nur noch in eigener Sache kämpfen, hat Hollywood zu Hauf auf die Leinwand gestellt. Laus “höllische Affären” beziehen sich auf dieses Genre, aber verdichten jenseits von Action-Schaulust die Angst des Agenten zu einer beklemmenden Studie eines aussichtslosen Kampfes, bei dem es keine Guten und keine Bösen, weder Gewinner, noch Verlierer, gibt, nur verlorene “Maulwürfe” in der jeweils eigenen Hölle. (jm)