Die Berlinale aus schleswig-holsteinischer Sicht

Schleswig-Holstein war auf der Berlinale in der Förderebene durch die MSH und die Kulturelle Filmförderung vertreten. Die MSH hatte auf dem 52. European Film Market im Debis-Haus gegenüber vom Berlinale-Palast zusammen mit der Hessischen Filmförderung einen Gemeinschaftsstand. Dieser befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Messestand der AG Dok, was sich für beide Organisationen als durchaus vorteilhaft erwies.

MSH-Geschäftsführer Roland Schmidt und Antje Reimer teilten sich die Arbeit, gaben viele Auskünfte Und Informationen über die MSH an interessierte Marktbesucher und wurden z.B. auch immer wieder von den zahlreich vertretenen Mitgliedern der AG-Dok zu Informationsgesprächen gebeten.

Die gelungene Präsentation der MSH auf dem European Film Market wurde u.a. auch durch einen Film unterstützt, der am Eingang der deutschen Ecke in der Debishalle im Verein mit anderen Bundesländern wie Hessen und Mecklenburg-Vorpommern Ausschnitte aus deutschen Spielfilmen präsentierte, die in den entsprechenden Regionen, mit ihren besonderen Locations gedreht worden waren.

Die Kulturelle Filmförderung Schleswig-Holstein war auf der Berlinale durch ihren Geschäftsführer Bernd-Günther Nahm vertreten. Beim Bufi-Empfang am Prenzlauer Berg wurde von allen Anwesenden das Konzept zur einer Neuordnung und -orientierung der Filmförderungspolitik von Minister Nida-Rümelin lebhaft diskutiert. Es eröffnet Chancen und Möglichkeiten besonders für die kulturellen Aspekte der Filmförderung in Deutschland. Darüber hinaus ermöglicht die Berlinale immer eine Unterrichtung über den Stand der aktuellen filmpolitischen Diskussionen in Europa.

Klar, dass sich auch Bernd Günther Nahm bei diesem großen A-Filmfestival mit seinen weit über 300 Filmen in den diversen offiziellen Programmsektionen und weiteren mehreren 100 Filmen in den Sichtungskinos und -studios des European Film Market auch über neue filmästhetische Trends informiert hat.

Die Berlinale bietet des weiteren immer, so auch in diesem Jahr, die Gelegenheit zu Treffen und Austausch mit zahlreichen schleswig-holsteinischen “Landeskindern”, die über die ganze Republik verteilt an den verschiedensten Einrichtungen für Filmausbildungen studieren. Was in Folge häufig für diese jungen, angehenden Filmemacher neuste Nachrichten und Beratungen zu aktuellen Fördermöglichkeiten durch schleswig-holsteinische Förderungen miteinschließt.

Filme aus Schleswig-Holstein oder von den hiesigen Fördereinrichtungen geförderte Produkte waren auf der diesjährigen Berlinale nicht zu sehen, im Gegensatz zu vielen anderen Jahren, in denen Kurz- und Dokumentarfilme, manchmal sogar Spielfilme in den Programmsektionen Panorama, Deutsche Reihe und Forum des Internationalen Jungen Films vertreten waren.

Einerseits liegt das sicherlich auch daran, dass ein erhebliches Schwergewicht der Produktion und damit auch der Förderungen (oder auch umgekehrt, wenn man so will) im nördlichsten Bundesland verstärkt in TV-Produktionen im dokumentarischen Bereich fließt, welche es naturgemäß bei solch einem Festival, wie es die Berlinale ist, schwerer haben als anderswo, ins Programm zu kommen, anderseits sollte es doch den Verantwortlichen besonders im Fördergremium der MSH zu denken geben, weit mehr als bisher unabhängig produzierte Dokumentar- und Kurzfilme, die sicherlich auch für eine lohnende Festival- und Kinoauswertung in Frage kommen, zu fördern.

Auf dem Berlinale-Empfang des Hamburger Senats in seiner Berliner Vertretung gab die neue Kultursenatorin Frau Dana Horakova von der Schill-Partei bekannt, dass die drohende Kürzung von 1. Mio. Euro für die Hamburger Filmförderung nach massiven Protesten aller Betroffenen am Medienstandort Hamburg nun doch in letzter Minute abgewendet werden konnte, was durchaus als ein wichtiges Signal auch für die Filmförderungspolitik unseres Bundeslandes zu werten ist.

Die Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern stellte auf dem Berlinale-Empfang in ihrer Landesvertetung mit ihrem neuen Location Guide eine vorbildhafte Lösung für alle Bundesländer vor. Über das Internetportal www.location-mv.de bzw. dessen bundesweite Variante www.location-germany.de wird nicht nur mit Daten und Fotos über eine Vielzahl von Locations informiert, sondern es können von jedem Auskunftssuchenden auch Filmbilder der einzelnen Locations per Videostream auf den heimischen PC-Monitor geholt werden.

Abschließend soll hier noch besonders auf die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok), die auch viele schleswig-holsteinische Filmschaffende unter ihren 700 Mitgliedern hat, hingewiesen werden. Sie macht sich nun schon seit vielen Jahren kontinuierlich nicht nur um den deutschen Dokumentarfilm verdient. Ihr während der gesamten Berlinale rege besuchter und genutzter Stand auf dem European Film Market, der rasch zu einem Zentrum der Kommunikation und Information für viele unabhängigen Filmschaffende aus dem In- und Ausland wurde, war Indiz für effektive filmpolitische Arbeit und kollegiale Zusammenarbeit unter den einzelnen Mitgliedern zum Nutzen und Wohle aller. Eine Filmförderung im besten Sinne. Dies wurde auch durch den Besuch von Kultur- Staatsminister Nida-Rümelin auf der Jahreshauptversammlung der AG Dok während der Berlinale in der Akademie der Künste deutlich. 45 Minuten diskutierte Nida-Rümelin Probleme und Lösungsvorstellungen mit den Dokumentarfilmern. Ein sehr konstruktives Gespräch mit Zukunftsperspektiven auch für die Probleme vieler Filmschaffender in Schleswig-Holstein.

Helmut Schulzeck