Dr.-Hans-Hoch-Filmpreis 2001

Wichtiger Förderbeitrag für die Filmkultur im Lande

Ausschnitte aus der Rede der Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur Ute Erdsiek-Rave anlässlich der Verleihung des Dr. Hans-Hoch-Filmpreises am 29. Januar 2002 in Neumünster

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich habe mich über die Einladung gefreut (…) und spontan zugesagt, weil (…) wir alles tun müssen den (Film-) Nachwuchs im Lande zu unterstützen.

“Mein Beruf ist es zu sehen und etwas Gesehenes zu zeigen” – diese Definition der filmkünstlerischen Arbeit von Wim Wenders erscheint mir sehr überzeugend. Oft genug genießen wir als Kinobesucher oder als Fernsehzuschauer die außergewöhnliche “Sehkraft” von Drehbuchautoren und Drehbuchautorinnen, von Kameraleuten und Regisseuren bzw. Regisseurinnen. Oft genug lassen wir uns verführen von deren außergewöhnlichem Talent, das Gesehene in eine Filmsprache zu übersetzen.

Die Filmemacher müssen sich jedoch nicht nur der künstlerischen Herausforderung stellen. Ihre Arbeit ist undenkbar ohne den Rechenstift. Wer einen Film verwirklichen möchte, braucht – anders als ein Schriftsteller – viel Geld, teure Geräte, aufwändige Investitionen und sehr viel Personal. All das zu “organisieren” und zu “finanzieren”, ist für Profis jedes Mal wieder eine gewaltige Herausforderung und erst recht für den Nachwuchs, der in der Regel ja zunächst einmal als Bittsteller ohne Rang und Namen auftritt!

Kaum ein Projekt ist “machbar” ohne Sponsoren, ohne Subventionen, ohne staatliche und privatwirtschaftliche Filmförderung. Das gilt für Kurz- und Dokumentarfilme ebenso wie für abendfüllende Kino- und Fernsehproduktionen, das gilt für Experimentalfilme ebenso wie für nationale Kassenerfolge, für Low-Budget-Projekte, für Independent-Filme oder die Blockbusters aus der Traumfabrik Hollywood.

Welch ein Glück aber, dass wir in Schleswig-Holstein den Filmpreis der Dr. Hans-Hoch-Stiftung vergeben können – als moralischen und als materiellen Impuls an die jungen Kreativen. Der 1981 verstorbene Kaufmann Dr. Hans Hoch hat testamentarisch verfügt, dass die Überschüsse aus seinem – in eine Stiftung umgewandelten – Vermögen unter anderem der Förderung junger Künstler zugute kommen sollten. Solch ein Engagement verdient unsere volle Anerkennung, und es ist sehr zu hoffen, dass sich immer mehr Menschen zu solchen Schritten entschließen können!

Die Dr. Hans-Hoch-Stiftung ermöglicht uns, im Zwei-Jahres-Rhythmus jeweils drei Preise in Höhe von insgesamt 12.400 Euro zu vergeben. Der 1. Preis ist übrigens nach wie vor einer der höchst dotierten Nachwuchspreise, der in der Bundesrepublik Deutschland vergeben wird. Die Dr. Hans-Hoch-Stiftung ermutigt damit begabte junge Filmemacherinnen und Filmemacher und fördert die Filmkultur im Land Schleswig-Holstein. Irgendwie ist es typisch für Schleswig-Holstein, dass dieses bisher über das Land hinaus so wenig bekannt war.

Der Dr. Hans-Hoch-Filmpreis ist ein Baustein der Kulturellen Filmförderung Schleswig-Holsteins. Natürlich gehört dazu noch eine Fülle anderer Aktivitäten. Zur Unterstützung von Projekten und Anschaffungen stellt die Landesregierung der Kulturellen Filmförderung knapp 250.000 Euro zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es Gelder der Unabhängigen Landesanstalt für das Rundfunkwesen und der MSH.

Wir fördern Drehbücher, übernehmen Produktionskosten, stellen technische Ausrüstung zur Verfügung, wir unterstützen den Vertrieb und ermöglichen Vorführungen. So vielfältig die Hilfestellungen sind, so unterschiedlich sind die Ergebnisse: Sie reichen von Experimenten bis hin zu Coproduktionen mit Fernsehveranstaltern. Anders als bei der Medienstiftung Schleswig-Holstein, der von NDR und ULR getragenen Gesellschaft zur Förderung audiovisueller Werke in Schleswig-Holstein, ist bei der Künstlerischen Filmförderung die Sendefähigkeit einer Produktion keine Förderungsvoraussetzung (das soll natürlich nicht heißen, dass wir nur fördern, was keine Aussicht auf Erfolg hat).

Wir legen großen Wert auf den Freiraum für Künstlerisches, für Dokumentarisches und für Experimentelles, damit die über 100-jährige Filmkunst auch in Zukunft in origineller Weise fortgeschrieben werden kann – das würde nicht möglich sein, wenn wir bei der Vergabe von Zuschüssen und Fördermitteln ausschließlich auf Verwertbarkeit und Quoten setzen würden!

Aber, meine Damen und Herren, ich will Sie nun nicht länger auf die Folter spannen! Ich darf die Preisträger verkünden und die Schecks überreichen.

Ute Erdsiek-Rave bei der Preisverleihung an Jenny Gaud und Philip Rebohl
(Foto: Lorenz Müller, Kult. Filmförd.)

Den 3. Preis, der mit 800 Euro dotiert ist, erhält der Film “Der Geheimniskrämer” von Jenny Gaud und Philip Rebohl. In der Begründung der Jury heißt es unter anderem: “In ruhigen Bildern erleben wir eine Geschichte von Jung und Alt, von unterschiedlichen und doch ähnlichen Erfahrungen mit einer Moral ohne Zeigefinger. Ein kleiner, feiner Film, der neugierig macht auf weitere Arbeiten.”

Ute Erdsiek-Rave bei der Preisverleihung an Eugenia Loguinova-Hünemörder
(Foto: Lorenz Müller, Kult. Filmförd.)

Der zweite Preis, mit 1.300 Euro dotiert, geht an den Beitrag “6 Stunden in der Zukunft” von Eugenia Loguinova-Hünemörder, für eine – wie es in der Begründung der Jury heißt – “sehr persönliche, dokumentarische Bild- und Tonreise durch Geschichte und Gegenwart im Altai- und West-Sayan-Gebiet im Herzen Asiens. Ihr gelingt ein subtiles Spiel aus Nähe und Distanz fernab jeden exotischen Medienklischees.”

So, nun darf ich sagen: “the winner is …” der Kurzfilm “Frag nicht nach Sonnenschein” von Lena Jana Krajewski. Sie erhält den ersten Preis in Höhe von 10.300 Euro. Sie hat die Juroren nicht nur künstlerisch am stärksten beeindruckt, sie hat sich auch als regelrechtes Beschaffungstalent profiliert und für ihre aufwändige Produktion zahlreiche Fördergelder aquirieren können. Ich zitiere aus dem Votum der Jury: “Frag nicht nach Sonnenschein ist ein sehr stimmiger Film, der seinen Bildern vertraut und auf handwerklich hohem Niveau eine Geschichte über Einsamkeit, Sehnsucht, Liebe und die Kraft von Zufällen erzählt. Getragen von einem überzeugenden Engagement des gesamten Filmteams spannt Lena Jana Krajewski (…) den visuellen Bogen von der alltäglichen Tristesse bis zum skurrilen Zufall. In der wohl gelungenen Balance zwischen diesen Polen entwickelt der Film seine Stärke und bindet die Zuschauer durch unaufdringliche Bilder, eine subtile Tonarbeit und ein Zwinkern im Auge.”

Ich habe eingangs Wim Wenders zitiert und dessen filmkünstlerisches Selbstverständnis: “Mein Beruf ist es zu sehen und etwas Gesehenes zu zeigen.” In diesem Sinne wünsche ich den Preisträgerinnen und dem Preisträger, dass Ihnen diese Kunst in Zukunft oft gelingt, dass sie viel Erfolg und weitere große Preise gewinnen (die ja nicht für die Privatschatulle gedacht sind, sondern als Fundament für eine neue Produktion). Möge Ihnen die Symbiose von künstlerischem und ökonomischem Talent oft gelingen – Ihretwegen, aber auch unseretwegen, denn der größte Gewinner ist am Ende ja doch der Zuschauer. (…)

Nun dürfen wir uns in aller Ruhe die drei Siegerfilme anschauen. Ich lasse mich gerne auf die Abenteuer des filmischen Sehens ein – das, liebe Preisträgerinnen und Preisträger, gilt heute Abend bestimmt für das gesamte Publikum!