43. Nordische Filmtage in Lübeck – ein Rückblick

14. Filmforum Schleswig-Holstein: Spiel- und Kurzfilme

Ein neues Gesicht an der Spitze des Filmforum Schleswig-Holstein brachte frischen Schwung ins Programm. Mit Elan und Tatendrang ging Claudia Heydolph ans Werk und wirkte als junge Leiterin des Schleswig-Holstein-Programms der “Nordischen” bisweilen schon so routiniert, als ob sie am Programm schon all die 14 Jahre mitgewirkt hätte.

Eine klare Gliederung in sieben Programmschwerpunkte sollte eine bessere Übersicht über die Filme schaffen und es dem Zuschauer erleichtern, mögliche thematische Bezüge im Programm aufzufinden. Naturgemäß waren in der Hauptsache wieder Dokumentar- und Kurzfilme zu sehen. Aber unter den 33 Filmen waren auch drei Spielfilme, die zusammen mit zwei langen Dokumentarfilmen die “Special Edition: Nordlichter im Deutschen Kino von heute” bildeten. Alle englisch untertitelt als besonderer Service für die skandinavischen und baltischen Gäste.

Stolz und glücklich scheinen “die Lübecker” über “ihren” jungen und erfolgreichen Regisseur Miguel Alexandre zu sein. Gleich zwei TV-Spielfilm-Produktionen von ihm waren zu sehen. Sein Film “Schutzengel gesucht” entging der möglichen Kitschfalle, in die der vom Filmemacher als “klassischer Weihnachtsfilm” bezeichnete Liebesfilm durchaus hätte tappen können, vor allem durch seine ausgezeichneten und glaubhaften Hauptdarsteller Bettina Kupfer und Armin Rohde.

“Schutzengel gesucht”

Ihre Rollen sind ihnen geradezu glücklich auf den Leib geschrieben worden. Zwei Unglücksraben spielen für einander den Schutzengel und ziehen sich so gegenseitig nacheinander aus ihrem traurigen Existenzsumpf. Etwas penetrant wirken dabei die beiden tatsächlichen Schutzengel, die ihnen als Nebenfiguren assistieren. Und auch der überdeutliche Schluss, der den Zuschauer mit dem Zeigefinger aufklärt, mindert das Filmvergnügen ein wenig. Nachzuprüfen für sich selber ist das am 13. Dezember ab 20.15 Uhr in der ARD.

Natürlich konnte das Filmforum nicht an dem deutschen Erfolgskinofilm des letzten Winters aus den Norden vorbeigehen. Lars Büchels “Jetzt oder nie – Zeit ist Geld” zeigte noch einmal jene etwas schrulligen und listigen drei alten Ladies (ihre Darstellerinnen erhielten dafür den diesjährigen Ernst-Lubitsch-Preis), die unverzagt ihren Traum von einer Kreuzfahrt zu erfüllen trachten, auch wenn dazu stetiger Alkoholdiebstahl im Supermarkt und Bankraub von Nöten sind. Die für den Kieler Büchel typischen Grotesk-Einfälle und liebvollen Charakterisierungen seiner Figuren scheinen schon jetzt nach diesem, seinem zweiten Spielfilm zu einem Markenzeichen bei ihm zu werden. Man darf gespannt sein, wie es bei Büchel weitergeht.

Die traditionelle Kultveranstaltung der “Kurzfilm-Nacht” war glücklicherweise vom ersten Tag – sie folgte bisher im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung – auf die Samstagnacht verschoben worden. Etwas unglücklich erschien es, dass die befragten anwesenden FilmemacherInnen in einen eng gefassten Ablauf des Programms “gezwungen wurden” und so nicht wie sonst üblich ein etwas ausführlicheres Gespräch zu ihrer Person und den Filmen zustande kam. Claudia Heydolph wollte als Moderatorin das Programm zügig durchziehen.

Als besonders gelungen ragten zwei Filme aus den gezeigten elf heraus. In “Zwei im Frack” von Christian Stahl werden zwei alte Stepptänzer über Nacht arbeits- und wohnungslos.

“Zwei im Frack”

Doch mit Hilfe von glücklichen und grotesken Zufällen, die beide aber schnell wie selbstverständlich zu ihrem Vorteil aufgreifen, gelingt es ihnen, von Situation zu Situation zu wandern und dabei fast immer zu profitieren. Der 20-minütige Film ist stimmig und gefühlvoll inszeniert, mit zwei unaufdringlichen, aber eindrucksvollen Charakteren als Hauptdarstellern. Kongeniale Ausstattung, Kulisse und Musik tragen ein Übriges zum runden Eindruck bei.

Ganz anders aber ebenso einheitlich in Stil und Erzählweise präsentiert sich “Staplerfahrer Klaus – Der erste Arbeitstag” von Jörg Wagner und Stefan Prehn. Die ätzende Satire erinnert sofort an die besonders in den 70er Jahren so beliebte WDR-Verkehrserziehung “Der siebte Sinn” und an etliche Arbeitsschulungsfilme aus jener Zeit.

“Staplerfahrer Klaus – Der erste Arbeitstag”

Frohgemut geht der frisch ausgebildete Klaus an seine Arbeit als Fahrer eines Gabelstaplers und gerät von Mal zu Mal im heftigere, geradezu splatterhafte Arbeitsunfälle. Das ganze wird zum leicht schockierenden, aber äußerst belustigenden Spaß durch den wohlmeinenden und immer mit erhobenem Zeigefinger erteilten Rat des Kommentators. Erläuternde Zeichentrickeinblendungen, wie man es denn richtig macht, und die Musik, die arbeitsfröhlich flott daherkommt, setzen dem ganzen die Krone auf. (Helmut Schulzeck)