Ein Sonderling im Orient

Dokumentarfilm über Franz Osten von Gerald Koll

Niemand kennt Franz Osten (1876-1956), den deutschen Regisseur von über 60 Spielfilmen.

Die Filmgeschichte hat ihn vergessen, der einer der kühnsten Filmpioniere in Süddeutschland war und den sozial engagierten indischen Film der 30er Jahre prägte. Sie hat auch seinen Ruhm vergessen, den er erwarb, als er in den 20er Jahren in Indien an Originalschauplätzen aufwendige, historische Filme drehte. Es fing an mit Die Leuchte Asiens.


Franz Osten – ein eigensinniger, bayrischer Charakter. Getragen von der Exotikwelle im frühen Weimarer Kino wagt er ein abenteuerliches Unternehmen: 1925 verlässt er die geschützten Glasateliers der heimatlichen “Emelka” und dreht den Buddha-Film Die Leuchte Asiens on location, in Indien.


Zeichnet ein märchenhaftes Porträt eines Märchenhaften – der Kieler Dokumentarfilmer Gerald Koll
Drehte über 60 Spielfilme u.a. in Indien – Franz Osten, hier im Gespräch mit der Schauspielerin Devika Rani

Der Dokumentarfilm von Gerald Koll, der im September auf arte ausgestrahlt wurde und am 3.11. bei den Nordischen Filmtagen im Filmforum SH gezeigt wird, beschreibt anhand zahlreicher, bislang unentdeckter Bilder und Filme die aufregende Indien-Expedition des Oberregisseurs Franz Osten. Er verfolgt die Wurzeln dieses eigensinnigen Mannes, der erst die Filmstadt München und später das Filmland Indien aufbauen half. Er porträtiert einen Sonderling im Orient.

Die Geschichte von Franz Osten klingt heute wie ein Märchen aus alter Zeit. Wie ein buddhistisches Märchen, dass mit “einstmals …” beginnt. So könnte man es erzählen. Aber Franz Osten ist ein Mann, der sich einmischt. Der mitredet. Das wird er sich auch in diesem Film nicht nehmen lassen.